Wer eine Webseite aus gewerblichen Gründen betreibt, ist daran interessiert, ein hohes Ranking zu erhalten. Mit SEO-Tools kannst du herausfinden, welche Ranking-Faktoren wichtig für deine Webseite sind, um weiter aufzusteigen. Einer der Faktoren ist die Wortanzahl, über deren Relevanz seit 2005 diskutiert wird.

Vertreter von Google geben an, dass die Wortanzahl keine Auswirkung auf das Ranking hat. Auf der anderen Seite wird geraten, genügend Inhalt zu erstellen, der informativ ist. Gerade im Briefing Template wird zu einer Mindestzahl an Wörtern geraten.

Was gibt Grund zu der Annahme?

Wird das von einigen Leute zu ernst genommen oder ist was an der Wortanzahl für das Ranking dran? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Artikel.

Als Erstes wird ein Blick auf die Algorithmen des Machine Learning geworfen, um zu verstehen, welchen Einfluss es auf die Platzierung hat. Es scheint zumindest, dass es eine Korrelation zwischen Wortanzahl und Rang gibt.

Dieses Indiz fällt vor allem im Vergleich von fast allen Webseiten auf. In vielen Fällen konnte festgestellt werden, dass mehr Wörter auf einer Seite zu einer besseren Platzierung auf Google führt.

Wie funktionierten die Ranking-Faktoren früher?

Die Ranking-Faktoren sind Parameter einer Seite, die über das Ranking deiner Webseite entscheiden. Genauer gesagt, ordnet der Ranking-Algorithmus von Google auf Grundlage dieser Faktoren deine Seite vor oder hinter die Seiten deiner Konkurrenten ein.

Dies konnte früher mit dem passenden Keyword im Namen der Domain erkannt werden. Mit der Benutzung eines Keywords gewann die Seite unsichtbare Punkte, die sie zu anderen Homepages abhob. Hatte die Seite insgesamt mehr Punkte als die Konkurrenz, gab es damit eine höhre Platzierung bei der Suchanfrage.

Ranking-Faktoren aus heutiger Sicht

Einfach ausgedrückt, untersucht das Machine Learning mithilfe des Algorithmus, wie gut den Nutzern eine Webseite gefällt. Dabei geht es in erster Linie um das Verhalten des Nutzers, der durch sein Handeln auf Webseiten Daten erzeugt. Diese Daten werden zum „Lernen“ herangezogen, um eine Vorhersage zu treffen, was ihm gefallen könnte. Das klingt zunächst einfach, funktioniert aber in Wirklichkeit etwas komplizierter. Es wäre ein Fehler, das Prinzip nach der Formel aufzubauen, wenn Nutzer A, B und C auf einer Webseite mag, dann wird er Seiten, die dieselben drei Kriterien haben, auch mögen.

Im Endeffekt ist der Algorithmus eine Blackbox und niemand außerhalb der Firma Google weiß, welche Faktoren für die unterschiedlichen Bewertungen verantwortlich sind. Das Firmengeheimnis schafft auf der einen Seite eine Wettbewerbsneutralität, auf der anderen Seite gibt es keine Liste von Merkmalen, die eindeutige Anhaltspunkte aufzeigen. Das Einzige, was du machen kannst, sind Zusammenhänge zwischen den Seiten zu beobachten und zu analysieren.

Ein weiterer Indikator für die Funktion des Ranking-Algorithmus von Google sind „E-A-T“ und „Rich Content“. Mit diesen Faktoren wird ein Standard geschaffen, der die Qualität einer Seite festlegt.

Leider beginnt mit dieser Erkenntnis die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Auch wenn du weißt, was ein Rankingfaktor ist, ist dir immer noch nicht bekannt, wie groß ihr Einfluss auf das Ranking ist.

Ein gutes Beispiel für die Ranking-Faktoren ist die UX, die die Geschwindigkeit einer Webseite beim Laden mit einbezieht und deren neuen Core Web Vitals. Auch hier ist nicht bekannt, wie stark die Auswirkung ist. Zumindest bestätigt Google, dass sie einen Einfluss auf das Ranking-System haben. Die Bewertung scheint nicht besonders hoch zu sein, da eine schnelle Seitengeschwindigkeit nicht unbedingt zu einer besseren Platzierung führt.

Einer der Gründe kann sein, dass der Algorithmus für das maschinelle Lernen eine Kombination von unterschiedlichen Faktoren heranzieht. Es gibt Faktoren, die sich sogar negativ auswirken können. Das bedeutet, dass kein einzelner Faktor ausschlaggebend ist, sondern die Summe aller Faktoren zu einem Einfluss auf das Ranking führen.

Falls du dich fragst, ob es dazu tiefer gehende Forschungen gibt, dann ist deine Annahme richtig. Die Erforschung der komplexen Algorithmen ist derzeit ein Forschungsthema. Vincent Terrasi, Data Science Coach und Product Director bei OnCrawl, hielt zu dem Thema auf der Brighton SEO-Konferenz einen Vortrag. Seiner Ansicht nach gibt es verschiedene Methoden, die sich mit der Bestimmung von Faktoren beschäftigen, die den größten Einfluss auf eine URL haben. Allerdings sei es sehr rechenintensiv und damit zu teuer im Moment.

Im Falle der Wortanzahl

Stelle dir zwei Webseiten vor, die einer erdachten Person gehören und Experte auf einem bestimmten Gebiet ist. Beide Seiten behandeln dasselbe Thema, aber unterscheiden sich in ihrer Wortanzahl. Gehe von der Situation aus, dass auf den Seiten eine Studie veröffentlicht wird. Die Seite A zeigt eine Zusammenfassung dieser Studie und ist 200 Wörter lang. Seite B enthält die volle Studie und hat 5000 Wörter.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit steht Seite B vor Seite A im Ranking wegen der größeren Wortzahl. Einer der Gründe liegt vermutlich in der stärkeren Nutzung der Seite B. Da sie die vollständige Studie zeigt, interessieren sich mehr Experten dafür, die als Reaktion darauf mit ihren Backlinks auf diese Seite verweisen. Das bessere Ranking lässt sich damit erklären, dass Fachthemen, die Experten verfassen und eine gewisse Länge aufweisen, höher gewertet werden.

Aber betrachte die Annahme mit Vorsicht, dass lange Texte im Allgemeinen zu einem besseren Rang führen. Stelle dir als neues Beispiel Seite C und D vor. Auf Seite C wird mit 200 Wörtern ein Produkt beworben, während Seite D das Gleiche mit 1500 Wörtern tut. Weil niemand gerne lange Produktanleitungen liest, ist davon auszugehen, dass Seite C ein höheres Ranking hat.

In beiden Gedankenexperimenten spielt demnach die Wortanzahl eine Rolle. Diese richtet sich nicht nach der allgemeinen Länge, sondern hängt mit dem Inhalt zusammen. Überlege dir, welche Textart du für deine Homepage brauchst und richte danach die Textlänge aus.

Wie du die richtige Textlänge für deine persönliche Webseite findest

Wenn du wissen willst, wie du das Ranking mit der Wortanzahl verbessern kannst, musst du einen Schritt weiter ins Detail gehen. Finde als Erstes heraus, zu welcher Branche deine Webseite gehört und wie viele Wörter für eine Standardseite üblich sind.

Du kannst die Daten deiner eigenen Seite verwenden, um sie mit anderen zu vergleichen. Für diese Recherche lohnt sich ein Analysetool wie OnCrawl. Das Tool verrät dir anhand von Grafiken dein Ranking zu anderen Seiten und zeigt, welche Textlänge zu einer höheren Platzierung führt.

Wie du die URLs in die richtigen Gruppen aufteilst

Jede Seite verfolgt einen speziellen Zweck und hat besondere Funktionen. Sicherlich hast du dir darüber Gedanken gemacht, in welche Gruppe deine Homepage fällt und welches Ziel du damit verfolgst. Beispielsweise gibt es SaaS-Produktseiten (Software-as-a-Service), Landingpages, Blogs, Paginierung usw.

Ein Blog hat logischerweise andere Aufgaben wie eine SaaS-Produktseite, was ein guter Grund ist, sie in verschiedene Gruppen aufzuteilen.

Mit OnCrawl kannst du die Kriterien deiner Seite indem dafür vorgesehenen Bereich selbst auswählen. Das geht von persönlich angelegten Listen über URL-Struktur bis zu der Auflistung von organischen Besuchen.

So findest du heraus, welche Textlänge die Beste ist

Nimm dir eine Gruppe heraus und untersuche sie auf ihr Verhältnis zwischen Textlänge und Rang. Die Analyse kannst du zum Beispiel mit der Google Search Console machen und sehen, wie das Ranking einer Seite in einem bestimmten Land ist.

Damit hast du den Kernpunkt abgehakt, der eine Korrelation zwischen Textlänge und Rang zeigt. Wenn sich durch die Daten eine Verbindung erkennen lässt, siehst du gleichzeitig, was eine gute Wortanzahl ist.

Natürlich kann es vorkommen, dass eine geringe Korrelation zwischen Textlänge und Rang besteht. In diesem Fall versuche nicht eine willkürliche Textlänge einzuhalten, um einen höheren Rang zu erreichen.

Als kleinen Trost gibt es ein paar Daten, die sich verwerten lassen. Das sind in der Regel die Daten, die Benutzer durch Interaktion mit der Seite hinterlassen. Mit anderen Worten, wie lange sie auf der Webseite verweilen, wie weit sie sich durchklicken und ob sie sich registrieren für die Seite. Sofern es keinen Zusammenhang zwischen Textlänge und Rang gibt, überprüfe das Benutzerverhalten deiner Seite. Liegt das im angemessenen Rahmen, brauchst du nichts an der Wortanzahl ändern.

Exportiere Listen mit einer schlechten Wortzahl heraus

Du kannst dir eine Liste deiner aktuellen Webseiten in OnCrawl anzeigen lassen. Für eine genauere Überprüfung kannst du auf ein Diagramm klicken, um eine Liste der Seiten zu erhalten, die das Programm in den Bereich mit schlechten Werten packt. Füge zusätzliche Informationen hinzu, indem du Spalten im Datenexplorer hinzufügst, und exportiere im Anschluss den Bericht.

Das Wichtigste auf einen Blick

Aus diesem Bericht lässt sich klar herausnehmen, dass die Textlänge kein fester Bestandteil im Google-Ranking-Algorithmus ist. Die Stellungnahmen diverser Google-Vertreter zu diesem Thema sind durchaus glaubwürdig. Es wäre ja noch schöner, wenn mit einer magischen Anzahl von Wörtern das Ranking einfach so gesteigert werden könnte.

Die einzige Ausnahme ist der Kontext, indem die Textlänge als ein zuverlässiger Indikator für das Ranking eine Verwendung findet. Die Wortanzahl hängt schlicht mit anderen Faktoren zusammen, die das Ranking beeinflussen. Probleme tauchen da auf, wo eine unpassende Wortzahl mit einer bestimmten Art von Seite und deren Keywords zusammenhängt. In Klartext heißt das, dass die Textlänge ein Faktor von vielen ist, der über den Rang einer Webseite entscheidet.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Tools, die die Textlänge deiner Beiträge und Seiten prüfen, obsolet sind. Auch ist es nicht ratsam, blind den Empfehlungen für 500 bis 800 Wörter starke Texte oder „Longform Content“ zu folgen. Entscheide dich stattdessen für eine Vorgehensweise, die kurz und ausführlich genug ist, dass sie anderen Webseiten desselben Typs ähneln, die ein hohes Ranking haben. Wenn es sein muss, vergleiche sie sogar mit den Seiten deiner Konkurrenten.