Ein Disavow
Nicht jeder Backlink wirkt sich positiv auf deine Rankings aus. In bestimmten Fällen können minderwertige oder unnatürliche Verlinkungen deiner Website sogar schaden. Genau hier kommt das Disavow von Backlinks ins Spiel.
Was ist ein Disavow?
Ein Disavow ist die gezielte Aufforderung an Google, bestimmte Backlinks bei der Bewertung deiner Website zu ignorieren. Du entfernst die Links damit nicht aus dem Internet, sondern sagst Google sinngemäß: „Diese Verlinkungen stehen nicht für meine Website – bitte nicht berücksichtigen.“
Das passiert über eine sogenannte Disavow-Datei, die du im Disavow Tool von Google hochlädst. Darin listest du einzelne URLs oder ganze Domains auf, deren Links Google bei der Berechnung von Rankings nicht mehr einbeziehen soll.
Wichtig ist: Ein Disavow ist keine Standardmaßnahme für jedes Linkprofil. Es ist eher ein Rettungsanker, wenn du wirklich problematische Links im Profil hast – zum Beispiel nach Linkspam, negativen SEO-Angriffen oder früherem, aggressivem Linkaufbau.
Aufbau der Disavow Datei
Die Disavow-Datei ist eine einfache Textdatei im .txt-Format, mit der du Google mitteilst, welche Backlinks ignoriert werden sollen. Trotz ihrer Einfachheit ist der korrekte Aufbau entscheidend, da Fehler dazu führen können, dass Google die Datei nicht richtig verarbeitet oder wichtige Links versehentlich entwertet werden.
Grundsätzlich gilt: Eine Disavow-Datei wird immer domainweit interpretiert. Das heißt, die darin enthaltenen Anweisungen wirken sich auf das gesamte Linkprofil aus.
Technische Grundlagen
Die Datei muss folgende Voraussetzungen erfüllen:
- Sie wird als reine Textdatei gespeichert
- Die Codierung ist UTF-8 oder 7-bit ASCII
- Der Dateiname ist beliebig, meist
disavow.txt - Jede Anweisung steht in einer eigenen Zeile
Kommentare können mit einem # am Zeilenanfang ergänzt werden.
Diese Zeilen dienen nur der internen Dokumentation und werden von Google ignoriert.
Kommentarzeile
Kommentarzeilen beginnen mit einem # am Zeilenanfang.
Sie dienen ausschließlich der internen Dokumentation und werden von Google ignoriert.
Ganze Domain entwerten
Mit dem domain:-Befehl ignoriert Google alle aktuellen und zukünftigen Links von dieser Domain. Das ist besonders bei Linkfarmen, Spam-Netzwerken oder eindeutig manipulativen Seiten empfehlenswert.
Weitere Domain-Regel
Jede Domain steht in einer eigenen Zeile. Die Reihenfolge spielt keine Rolle, da jede Anweisung domainweit interpretiert wird.
Einzelne URL entwerten
Trägst du eine vollständige URL ein, wird nur dieser konkrete Link ignoriert. Das ist sinnvoll, wenn eine ansonsten seriöse Domain nur einzelne problematische Seiten enthält.
Einzelne URLs entwerten
Wenn du nur ganz bestimmte Links entwerten willst, trägst du die vollständige URL ein. Das ist sinnvoll, wenn eine ansonsten seriöse Domain nur einzelne problematische Seiten hat.
Ganze Domains entwerten
In den meisten Fällen ist es sinnvoller, komplette Domains zu entwerten. Damit ignoriert Google alle aktuellen und zukünftigen Links von dieser Domain.
Typischer Aufbau einer Disavow-Datei
Je sauberer und nachvollziehbarer die Datei aufgebaut ist, desto leichter lässt sie sich später pflegen oder aktualisieren.
Diese Links gehören rein
Ein Disavow sollte immer gezielt eingesetzt werden. Ziel ist es, eindeutig schädliche oder unnatürliche Backlinks zu entwerten – nicht das eigene Linkprofil „aufzuräumen“, weil es optisch unsauber wirkt. Zu aggressive Disavows können mehr schaden als helfen.
Grundsätzlich gehören nur Links in die Disavow-Datei, die klar gegen die Google-Richtlinien verstoßen oder ein offensichtliches Risiko für deine Website darstellen.
Typische Fälle, in denen ein Disavow sinnvoll ist
- Links aus bekannten Linkfarmen oder Spam-Netzwerken
- Automatisch generierte Links von irrelevanten Seiten
- Massive Mengen an Links mit identischem Keyword-Ankertext
- Links von gehackten Websites oder Spam-Unterseiten
- Links aus fremdsprachigen, themenfremden Netzwerken
- Backlinks aus minderwertigen Webkatalogen ohne redaktionelle Prüfung
- Links aus Kommentar- oder Forenspam in großer Anzahl
Hinweis: Ein Disavow sollte immer das letzte Mittel sein – und nur nach sorgfältiger Analyse des Linkprofils eingesetzt werden.
Besonders kritisch sind Links, die kein natürliches Entstehungsmuster erkennen lassen. Wenn viele Verlinkungen in kurzer Zeit entstehen, keinen thematischen Bezug haben und gleichzeitig stark optimierte Ankertexte nutzen, ist Vorsicht geboten.
Wichtig ist auch die Gesamtwirkung. Ein einzelner schlechter Link ist in der Regel kein Problem. Kritisch wird es, wenn sich problematische Links häufen oder ein klar erkennbares Muster bilden.
Beispiele für schlechte Links
Schlechte Backlinks erkennt man meist nicht an einem einzelnen Faktor, sondern an einer Kombination aus Qualität, Kontext und Entstehung. Die folgenden Beispiele zeigen typische Linkarten, die in vielen Fällen kandidaten für ein Disavow sind.
Links aus Linkfarmen gehören zu den Klassikern. Dabei handelt es sich um Netzwerke aus Websites, die ausschließlich dafür existieren, Links zu verkaufen oder automatisiert zu verteilen. Diese Seiten haben meist keinen echten Content, verlinken wahllos auf hunderte Domains und wechseln ihre Inhalte regelmäßig.
Automatisierter Kommentar- und Forenspam ist ein weiteres häufiges Problem. Dabei werden massenhaft Links mit identischen oder stark optimierten Ankertexten in Kommentarspalten, Profilen oder Forenposts platziert – oft ohne inhaltlichen Bezug. Einzelne solcher Links sind meist unkritisch, große Mengen hingegen nicht.
Gehackte Websites stellen ebenfalls ein Risiko dar. Hier werden Backlinks auf Unterseiten platziert, die nichts mit dem eigentlichen Thema der Website zu tun haben, häufig in fremden Sprachen oder mit typischen Spam-Begriffen. Diese Links entstehen ohne Wissen des Seitenbetreibers und sollten konsequent entwertet werden.
Links aus thematisch völlig irrelevanten Seiten können problematisch sein, vor allem wenn sie gehäuft auftreten. Wenn eine Website aus einer völlig anderen Branche oder Sprache massenhaft auf dich verlinkt, ohne erkennbaren Zusammenhang, wirkt das schnell unnatürlich.
Keyword-überoptimierte Ankertexte sind ein weiteres Warnsignal. Wenn viele Backlinks exakt das gleiche Money-Keyword enthalten und kaum Marken- oder natürliche Anker vorkommen, kann das auf manipulativen Linkaufbau hindeuten.
Auch minderwertige Webkataloge und Artikelverzeichnisse, die keine redaktionelle Prüfung durchführen und tausende Einträge enthalten, zählen zu den typischen Problemquellen. Gerade ältere Linkaufbau-Maßnahmen aus solchen Verzeichnissen tauchen häufig noch in Linkprofilen auf.
Wichtig:
Nicht jeder dieser Links ist automatisch schädlich. Entscheidend ist immer das Gesamtbild deines Linkprofils. Erst wenn Muster erkennbar werden oder Google bereits Warnsignale sendet, solltest du aktiv eingreifen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Ein Disavow sollte immer strukturiert und mit Bedacht durchgeführt werden. Die folgenden Schritte zeigen dir, wie du dabei sauber und sicher vorgehst.
Schritt 1: Backlinks analysieren
Am Anfang steht immer eine vollständige Analyse deines Backlinkprofils. Nutze dafür mehrere Quellen, zum Beispiel SEO-Tools und die Google Search Console. Ziel ist es, alle eingehenden Links zu erfassen und auffällige Muster zu erkennen.
Achte dabei besonders auf:
- ungewöhnlich viele Links von einzelnen Domains
- fremdsprachige oder themenfremde Seiten
- auffällige Ankertext-Wiederholungen
- Spam-Seiten ohne echten Content
Wichtig: Markiere potenziell schädliche Links zunächst nur zur Prüfung – nicht sofort disavowen.
Schritt 2: Links bewerten und entscheiden
Im nächsten Schritt bewertest du die verdächtigen Links manuell. Frage dich dabei immer:
- Hat die verlinkende Seite echten Mehrwert?
- Besteht ein inhaltlicher Zusammenhang?
- Wirkt die Seite vertrauenswürdig?
- Ist der Link natürlich entstanden?
Nur wenn du mehrere dieser Fragen klar mit „Nein“ beantworten kannst, gehört der Link in die Disavow-Datei.
Schritt 3: Disavow-Datei erstellen
Erstelle eine einfache Textdatei im .txt-Format. Trage dort entweder einzelne URLs oder ganze Domains ein. In der Praxis ist das Entwerten ganzer Domains meist sinnvoller.
Kommentare kannst du mit einem # ergänzen, um dir Notizen zu machen oder Änderungen zu dokumentieren.
Wichtig:
Entwerte nur das, was wirklich problematisch ist. Jeder Disavow ist ein bewusster Verzicht auf mögliche Linksignale.
Schritt 4: Datei im Disavow Tool hochladen
Die fertige Datei lädst du über das Google Disavow Tool hoch. Wähle dabei unbedingt die richtige Property aus, da das Disavow immer domainweit gilt.
Nach dem Upload ersetzt die neue Datei automatisch die alte Version. Änderungen solltest du daher immer vollständig und nicht nur teilweise einreichen.
Schritt 5: Geduld haben und beobachten
Ein Disavow wirkt nicht sofort. Google muss die Datei verarbeiten und die betroffenen Links neu bewerten. Das kann mehrere Wochen dauern.
Beobachte in dieser Zeit:
- die Entwicklung deiner Rankings
- organischen Traffic
- Sichtbarkeitsverläufe
- weitere Veränderungen im Linkprofil
Wichtig: Ein Disavow ist kein Ranking-Booster. Es ist eine Schutzmaßnahme, um Schaden zu begrenzen oder zukünftige Probleme zu vermeiden.
Schritt 6: Regelmäßig prüfen, nicht automatisieren
Ein Disavow ist kein einmaliger Vorgang. Gerade bei älteren Domains oder nach aktiven Linkaufbau-Phasen solltest du dein Linkprofil regelmäßig überprüfen.
Automatisierte Disavow-Listen sind keine gute Idee. Jede Domain und jedes Projekt braucht eine individuelle Bewertung.