Autodaten-Verkauf: Dein Auto verkauft deine persönlichen Daten

Veröffentlicht: 2026-09-14
Autor: Marcel Christen | Seoholics
Lesezeit: 3 min

Was ist passiert?

Moderne Autos sammeln massiv persönliche Daten der Fahrer und verkaufen diese an Dritte. Die US-Behörde FTC hat General Motors deshalb zu einem fünfjährigen Verbot des Verkaufs von Kundendaten an Datenbroker verurteilt. Diese Broker sind Firmen, die Informationen sammeln und gewinnbringend weiterverkaufen. Viele Fahrer waren sich der Datenerfassung nicht bewusst.

Die Fakten

  • General Motors sammelte Fahrdaten wie die Geschwindigkeit oder die Fahrtzeit bei Nacht.
  • Diese Daten wurden an die Broker LexisNexis und Verisk weitergegeben.
  • Die Versicherungsbranche nutzte diese Informationen zur Erstellung von Risikoprofilen.
  • Ein Bericht der New York Times zeigt, dass dadurch Versicherungsprämien für Fahrer stiegen.
  • Eine Untersuchung der Mozilla Foundation kam zu dem Schluss, dass alle großen Autohersteller schlechte Datenschutz- und Sicherheitsstandards haben.

Was bedeutet das für Dich?

Diese Entwicklung betrifft alle Besitzer von vernetzten Fahrzeugen und Nutzer von Hersteller-Apps. Wer ein analoges Auto ohne digitale Anbindung fährt, ist von diesem speziellen Problem nicht betroffen. Die Datensammlung erfolgt oft über versteckte Einwilligungen in Dienstleistungsverträgen.

Für Privatbesitzer

  1. Prüfen Sie die Einstellungen in der Smartphone-App Ihres Fahrzeugs. Deaktivieren Sie dort alle Optionen zur Datenfreigabe und zum Standort-Tracking, sofern diese nicht zwingend für die Sicherheit nötig sind. Sie erkennen den Erfolg daran, dass die App beim Starten eine Bestätigung über die deaktivierten Dienste zeigt. Der Aufwand ist gering und dauert etwa 10 Minuten.
  2. Suchen Sie auf der offiziellen Website Ihres Autoherstellers nach der Datenschutzseite. Stellen Sie dort einen schriftlichen Antrag auf Auskunft und Löschung Ihrer bisher gesammelten Daten. Die Wirkung ist erst nach Erhalt einer schriftlichen Bestätigung des Herstellers gegeben. Dieser Prozess ist zeitaufwendig und erfordert Geduld bei der Korrespondenz.
  3. Lesen Sie die Bedingungen Ihrer vernetzten Dienste, wie zum Beispiel OnStar, genau durch. Achten Sie besonders auf Klauseln zu „Smart Driver“-Funktionen oder ähnlichen Profiling-Tools. Sie erkennen die Gefahr an Begriffen wie „Datenweitergabe an Partner“. Der Aufwand ist hoch, da die Texte oft in komplexer Fachsprache verfasst sind.

Für Flottenbetreiber und Händler

  1. Überprüfen Sie die Datenschutzbestimmungen der Fahrzeuge, die Sie an Kunden weitergeben oder selbst betreiben. Stellen Sie sicher, dass die Endnutzer explizit über die Datensammlung informiert werden. Der Erfolg zeigt sich in rechtssicheren Dokumentationen. Der Aufwand ist mittel, da rechtliche Beratung notwendig ist.
  2. Implementieren Sie einen Prozess zur Deaktivierung von Tracking-Funktionen vor der Fahrzeugauslieferung. Prüfen Sie, ob das Fahrzeug im „disconnected“ Modus betrieben werden kann. Die Wirkung ist eine geringere Datenschutzbelastung für den Endkunden. Der Aufwand ist gering, sofern die Software dies zulässt.

Wenn Sie nichts unternehmen, fließen Ihre Fahrdaten ungehindert an Dritte. Dies kann langfristig zu höheren Kosten bei Versicherungen oder gezielter Werbung auf Ihren Fahrzeugbildschirmen führen.

Experten-Meinung

Die aktuelle Situation gleicht einem „Free-for-all“, einem Zustand völliger Regellosigkeit. Autohersteller sammeln enorme Datenmengen ohne ausreichende öffentliche Kontrolle. Experten kritisieren, dass einfache Löschrechte nicht ausreichen. Ein Nutzer darf nicht erst mühsam Daten löschen müssen, die gar nicht erst hätten gesammelt werden dürfen. Die Last liegt derzeit allein beim Individuum. Datenschutzbeauftragte fordern daher eine strikte Begrenzung der Datenerfassung von vornherein. Nur so kann verhindert werden, dass Fahrzeuge zu Überwachungswerkzeugen auf Rädern werden.

Daten und Zahlen

Die rechtlichen Konsequenzen für General Motors sind deutlich. Die FTC verhängte ein Verbot des Datenverkaufs für einen Zeitraum von fünf Jahren. Dies betrifft die Weitergabe an Consumer Reporting Agencies und Datenbroker. Die Untersuchung der Mozilla Foundation aus dem Jahr 2023 betraf alle großen Autohersteller. In diesem Vergleich schnitt kein einziger Hersteller gut ab. Alle untersuchten Unternehmen wiesen laut der Studie eine schlechte Privatsphäre und Sicherheit auf. Die Daten zeigen eine systemische Schwäche in der gesamten Branche.

Ausblick

In den USA wird über den DRIVER Act diskutiert. Dieses Gesetz soll Besitzern mehr Kontrolle über ihre Fahrzeugdaten geben. Kritiker bemängeln jedoch, dass der Verkauf an Broker weiterhin erlaubt bliebe. Parallel dazu gibt es eine steigende Nachfrage nach einfacheren Fahrzeugen ohne Sensoren. Konzepte wie der Slate Truck zeigen den Trend zu minimalistischen Autos. Ob die Politik den Datenschutz wirklich verschärft, bleibt unklar. Die finanzielle Attraktivität der Datenmonetarisierung ist für die Hersteller derzeit zu hoch.

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