Veröffentlicht: 2026-10-02
Autor: Thomas Hintz | Seoholics
Lesezeit: 4 min
Der Befund ist eindeutig: AI Overviews (AIO) besetzen zunehmend den Raum von Brand-Suchanfragen. Während KI-Antworten früher primär bei informationsorientierten, nicht-markenspezifischen Abfragen erschienen, verschiebt sich dieses Muster nun auf die markeneigene Sichtbarkeit.
Was ist passiert?
Google integriert AI Overviews verstärkt in die Suchergebnisse für Brand-Keywords. Eine Analyse zeigt, dass AIOs mittlerweile bei 83% der markenbezogenen Suchanfragen erscheinen. Dies führt dazu, dass die KI-Antwort oft die Position 1 einnimmt und somit vor der offiziellen Website der Marke platziert wird.
Erscheinen von AIOs bei US-Desktop-Brand-Keywords
Dieser Wert markiert den aktuellen Stand am 29. September 2026 für markenbezogene Suchanfragen.
Die Fakten
- AI Overviews erscheinen bei 82,91% der US-Desktop-Suchergebnisse für Brand-Keywords (Stand 29. September 2026).
- Die Quote der Brand-Keywords, die AIOs auslösen, stieg von 61,3% im Juli auf 73,3% im September 2026.
- In einer Stichprobe von 100 Enterprise-Brands belegten 76,2% der AI Overviews die Position 1, mit einer durchschnittlichen Position von 1,49.
- Wikipedia ist mit einem Anteil von 71,9% die am häufigsten zitierte externe Quelle in markenbezogenen AIOs, gefolgt von YouTube (38,6%) und LinkedIn (22,8%).
- Nur 3,4% der analysierten KI-Antworten (2 von 58) erwähnten explizit Wettbewerber.
Was bedeutet das für Dich?
Diese Entwicklung betrifft primär Markeninhaber und SEO-Verantwortliche für Enterprise-Brands, deren Nutzer gezielt nach dem Markennamen suchen. Kleine Nischenseiten ohne ausgeprägte Brand-Awareness sind derzeit weniger betroffen, da die AIO-Triggerung hier oft anderen Mustern folgt.
Wenn die eigene Website nicht mehr auf Position 1 steht, sondern eine KI-Zusammenfassung, sinkt die Klickrate. Das Problem ist jedoch weniger der Traffic-Verlust als die Kontrollverlust über das Narrativ. Google zieht Informationen von Drittplattformen, die man nicht direkt steuern kann.
- Prüfung der Brand-Sichtbarkeit: Analysiere im Site Explorer unter den organischen Keywords die Filteroption für Branded Keywords, um festzustellen, bei welchen Begriffen AIOs erscheinen. Die Wirkung ist sichtbar, wenn du die Diskrepanz zwischen Keyword-Ranking und tatsächlicher SERP-Position (AIO auf Platz 1) identifizierst. Der Aufwand ist gering.
- Optimierung externer Autoritätsquellen: Da Wikipedia (71,9%) und LinkedIn (22,8%) Hauptquellen sind, muss die Präsenz auf diesen Plattformen aktualisiert werden. Erfolg misst man daran, ob die AIO-Antworten korrekte und aktuelle Informationen aus diesen Quellen übernehmen. Der Aufwand ist mittel bis hoch, da Wikipedia-Edits strengen Richtlinien unterliegen.
- Strategisches Brand Building: Erhöhe die Präsenz auf YouTube (38,6%), um sicherzustellen, dass die KI-Zusammenfassungen auf offizielle Videos verweisen und nicht auf veraltete Drittanbieter-Inhalte. Die Wirkung zeigt sich durch die Einbindung offizieller Kanäle als Zitate in der AIO. Der Aufwand ist hoch, da kontinuierliche Content-Produktion nötig ist.
Für Enterprise-Brands
Hier liegt der Fokus auf dem Risikomanagement. Es gilt, die Narrative auf den Top-3-Plattformen (Wikipedia, YouTube, LinkedIn) zu synchronisieren, um Fehlinformationen in der KI-Antwort zu vermeiden.
Für Onlineshops
Prüfe, ob Produktnamen als Brand-Keywords triggern. Falls AIOs hier erscheinen, ist eine saubere Strukturierung der Produktdaten wichtig, damit die KI keine falschen Preise oder Features aus Drittquellen zieht.
Wer nichts unternimmt, riskiert, dass die erste Interaktion des Nutzers mit der Marke über eine durch Dritte kontrollierte KI-Zusammenfassung erfolgt, was die Conversion-Rate und das Markenimage beeinflussen kann.
Experten-Meinung
Die Beobachtung, dass AIOs nun auch Brand-Queries besetzen, folgt dem Muster der „Null-Klick-Suche“, das wir bereits von Featured Snippets kennen. Neu ist jedoch die starke Abhängigkeit von Plattformen wie LinkedIn und YouTube. Wie ein Experte anmerkt, können externe Quellen nun das Narrativ einer Marke direkt in den Suchergebnissen steuern. Das Risiko liegt darin, dass nicht-offizielle Accounts oder veraltete Informationen zitiert werden. Ein gezieltes Brand Building ist daher nicht mehr nur eine Option für die Bekanntheit, sondern eine technische Notwendigkeit für die Kontrolle der SERPs.
Daten und Zahlen
Die Dynamik ist im Vergleich zu nicht-markenspezifischen Suchen bemerkenswert. Während nicht-branded Suchanfragen im Zeitraum Juli bis September nur einen Zuwachs von 4,8 Prozentpunkten bei den AIO-Triggerungen verzeichneten, stiegen Brand-Suchanfragen um 12 Prozentpunkte. Das entspricht einem Wachstum von rund 20% relativ zum Juli-Wert. Die Lücke zwischen beiden Gruppen schrumpfte somit von 12,2 Prozentpunkten im Juli auf nur noch 5 Punkte im September, was die zunehmende Dominanz von AIOs im Brand-Bereich belegt.
Anteil externer Quellen in markenbezogenen KI-Antworten
Ausblick
Google wird AI Overviews vermutlich in jede SERP integrieren, die dies technisch zulässt. Es ist zu erwarten, dass die Abhängigkeit von Drittquellen wie Wikipedia und YouTube weiter zunimmt. SEOs müssen ihren Fokus von der reinen Optimierung der eigenen Domain hin zu einer plattformübergreifenden Reputationssteuerung verschieben. Wer lokale Marktanteile sichern will, sollte zudem das GEO Blackbook konsultieren, um die Sichtbarkeit in KI-gestützten lokalen Antworten zu prüfen.