Google startet Videoserie für außergewöhnliche technische SEO-Fragen

Veröffentlicht: 2026-10-15
Autor: Marcel Christen | Seoholics
Lesezeit: 4 min

Google hat mit „The Non-Canonical Cabinet“ eine neue Videoreihe auf YouTube gestartet. In dieser Serie beantworten Experten außergewöhnliche technische Fragen zur Suchmaschinenoptimierung. Das Format ist als Comedy-Sitcom aufgebaut. Es widmet sich speziellen Grenzfallen, die in Standard-Hilfeseiten meist keinen Platz finden.

Die Fakten

  • Die Serie wird von Gary Illyes und Cherry Prommawin moderiert.
  • Die erste Episode erschien am 14. Oktober und behandelt Domainnamen sowie URL-Pfade.
  • Google hält sich bei Domainnamen an die technischen Richtlinien der ICANN und der IETF.
  • Emojis sind laut einer ICANN-Beschlussfassung von 2017 in Domainnamen generell nicht erlaubt, außer in bestimmten länderspezifischen Top-Level-Domains.
  • Keywords in der URL werden als extrem schwaches Ranking-Signal eingestuft, das fast nur bei völlig neuen Seiten ohne Inhalt eine Rolle spielt.

Was bedeutet das für Dich?

Diese Informationen sind für Webmaster und SEO-Spezialisten relevant, die sehr spezifische technische Strukturen planen. Wer Standard-URLs nutzt, ist nicht betroffen. Wer jedoch mit Sonderzeichen oder extremen Keyword-Strategien experimentiert, sollte seine Praxis anpassen.

Für kleine Websites

  1. Nutzen Sie für die Trennung von Wörtern in der URL ausschließlich Bindestriche. Google erkennt Wörter, die durch Unterstriche verbunden sind, oft als ein einziges langes Wort. Sie erkennen den Erfolg daran, dass die Begriffe in Analyse-Tools korrekt als separate Keywords identifiziert werden. Der Aufwand ist gering, da dies nur bei neuen URLs oder Umzügen nötig ist.
  2. Verzichten Sie auf den Versuch, die URL mit möglichst vielen Keywords zu füllen. Google nutzt diese Informationen kaum, sobald die Seite tatsächlichen Inhalt besitzt. Sie erkennen die Wirkung daran, dass die URL kürzer und nutzerfreundlicher wird, ohne dass die Sichtbarkeit sinkt. Dies ist ein einmaliger planerischer Aufwand.
  3. Prüfen Sie Ihre URLs auf die Verwendung von Emojis im Pfad. Googlebot kann diese zwar verarbeiten, aber viele Browser zeigen stattdessen unlesbare Zeichenfolgen an. Sie erkennen das Problem, indem Sie die URL in verschiedenen Browsern und Social-Media-Apps testen. Der Aufwand für die Bereinigung ist moderat.

Für Onlineshops

  1. Vermeiden Sie Emojis in der Domain, um technische Konflikte mit internationalen Standards zu verhindern. Browser übersetzen internationale Domainnamen in sogenannten Punycode, was Zeichenfolgen sind, die mit xn-- beginnen. Sie erkennen einen Fehler an einer Fehlermeldung bei der Registrierung oder an einer falschen Darstellung im Browser. Der Aufwand ist hoch, falls eine Domain bereits registriert wurde.
  2. Stellen Sie sicher, dass nicht-englische Zeichen im URL-Pfad korrekt per Prozent-Kodierung verschlüsselt sind. Dabei werden Sonderzeichen in eine Form wie %F0%9F%90%94 umgewandelt. Sie erkennen die korrekte Umsetzung, wenn die URL in der Adressleiste stabil bleibt und keine Fehler auslöst. Der Aufwand ist gering, da moderne Shop-Systeme dies meist automatisch erledigen.
  3. Priorisieren Sie hochwertigen Content gegenüber einer keyword-optimierten URL-Struktur. Google bestätigt, dass die Keyword-Dichte in der Adresse fast irrelevant ist. Sie erkennen den Erfolg an einer besseren Conversion-Rate durch sauberere URLs. Der Aufwand liegt in der redaktionellen Arbeit am Inhalt.

Wenn Sie diese Empfehlungen ignorieren, riskieren Sie eine schlechte Nutzererfahrung durch unlesbare URLs. Zudem verschwenden Sie Zeit mit Optimierungen, die keinen messbaren Einfluss auf Ihr Ranking haben.

Experten-Meinung

Die Aussagen von Gary Illyes rücken die Bedeutung von URLs in eine klare Perspektive. Keywords in der URL sind kein primärer Hebel mehr. Illyes beschreibt dies als „unglaublich kleines Signal“. Es ist ein technisches Relikt aus einer Zeit, in der Google weniger Kontext über Seiten hatte. Heute ist der Inhalt entscheidend. Die Empfehlung, Unterstriche zu vermeiden, unterstreicht die Bedeutung der Standardisierung. Wer sich an die gängigen Web-Konventionen hält, vermeidet unnötige Indexierungsfehler. Die neue Serie zeigt, dass Google transparenter mit technischen Grenzfallen umgehen will.

Daten und Zahlen

Die technischen Richtlinien für Domains basieren auf den Standards RFC 1035 und RFC 1123. Diese regeln die erlaubten Zeichen. Die Ablehnung von Emojis in Domains wurde bereits durch eine ICANN-Beschlussfassung im Jahr 2017 fixiert. Zur Einordnung der URL-Keywords dient die Historie: Bereits im Jahr 2016 bezeichnete John Mueller diese als sehr kleinen Ranking-Faktor. Im Jahr 2021 wurde dies als „sehr, sehr leichtgewichtig“ präzisiert. Diese zeitliche Abfolge zeigt, dass die Bedeutung von URL-Keywords über fast ein Jahrzehnt kontinuierlich abgenommen hat.

Ausblick

Die Videoreihe wird fortgesetzt. In der nächsten Episode befasst sich Google mit der Datei robots.txt. Diese Datei steuert, welche Bereiche einer Website der Googlebot besuchen darf. Ein fester Zeitplan für die Veröffentlichungen existiert nicht. Zwischen dem Teaser am 6. Oktober und der ersten Folge am 14. Oktober lagen 8 Tage. Nutzer können eigene Fragen in den Kommentaren hinterlassen, um zukünftige Themen zu beeinflussen.

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