Veröffentlicht: 2026-10-17
Autor: Marcel Christen | Seoholics
Lesezeit: 4 min
Was ist passiert?
Es gibt ein neues Phänomen namens LLM Positioning Lag. Ein LLM ist ein Large Language Model, also eine Künstliche Intelligenz wie ChatGPT, die Texte generiert. Der Lag beschreibt eine Zeitverzögerung. Die KI gibt veraltete Informationen über die Positionierung eines Unternehmens aus, obwohl sich die Strategie bereits geändert hat.
Nutzern, die generative KI für Produktempfehlungen nutzen
Dieser Wert stieg im Vergleich zum Jahr 2023, in dem der Anteil noch bei 25 % lag.
Die Fakten
- Ein wachsender Anteil an Nutzern ersetzt klassische Suchmaschinen durch generative KI für Produktempfehlungen. Dieser Anteil stieg von 25 % im Jahr 2023 auf 58 % im Jahr 2025.
- LLMs nutzen primär Trainingsdaten, also riesige Datensätze, mit denen die KI vorab gefüttert wurde. Aktuelle Änderungen nach dem sogenannten Training Cutoff, dem Zeitpunkt des Datenstopps, fehlen oft.
- Inkonsistente Informationen auf verschiedenen Webseiten führen zu Fehlern. Wenn soziale Profile und die eigene Homepage widersprüchliche Aussagen treffen, muss die KI entscheiden, welcher Quelle sie vertraut.
- Alte Narrative sind extrem hartnäckig. Wenn ein Unternehmen über ein Jahrzehnt eine bestimmte Ausrichtung hatte, überwiegen diese historischen Daten oft die neuen Inhalte.
- Selbst massive Marketingkampagnen mit Pressemitteilungen, TV-Auftritten und Homepage-Überarbeitungen garantieren keine sofortige Aktualisierung in der KI.
Was bedeutet das für Dich?
Diese Entwicklung betrifft alle Unternehmen, die ihr Angebot erweitert haben oder ihre Zielgruppe geändert haben. Wer heute nur auf die eigene Website setzt, ignoriert, dass Kunden ihre Meinung bereits im Chatbot bilden. Betroffen sind vor allem Firmen in einem Umbruch, während statische Geschäftsmodelle weniger Risiko tragen.
Für kleine Websites und Berater
- Überprüfen Sie alle öffentlichen Profile auf einheitliche Formulierungen. Nutzen Sie exakt die gleichen Begriffe für Ihre Dienstleistung auf LinkedIn, XING und Ihrer Homepage. Sie erkennen den Erfolg, wenn eine KI bei einer gezielten Abfrage die Begriffe konsistent wiederholt. Der Aufwand ist gering und in wenigen Stunden erledigt.
- Erstellen Sie neue, detaillierte Inhalte, die die neue Ausrichtung betonen. Schreiben Sie Fallstudien oder Fachartikel, die explizit das neue Angebot behandeln. Die Wirkung zeigt sich, wenn die KI in den Quellenangaben vermehrt auf diese neuen Seiten verweist. Der Aufwand ist mittel, da hochwertige Texte Zeit benötigen.
- Prüfen Sie, ob alte Pressemitteilungen oder Gastbeiträge auf fremden Seiten noch online sind. Bitten Sie die Betreiber um eine Aktualisierung oder Löschung veralteter Beschreibungen. Es wirkt, wenn die KI aufhört, alte Bezeichnungen zu verwenden. Der Aufwand ist hoch, da die Kommunikation mit Dritten mühsam ist.
Für Onlineshops und größere Marken
- Implementieren Sie strukturierte Daten in den HTML-Code Ihrer Seiten. Strukturierte Daten sind standardisierte Formate, die Maschinen helfen, Inhalte wie Preise oder Produktkategorien präzise zu verstehen. Die Wirkung prüfen Sie über die Google Search Console oder spezielle Validatoren. Der Aufwand ist technisch mittel und erfordert einen Entwickler.
- Veröffentlichen Sie offizielle Ankündigungen auf hochautoritativen News-Plattformen. LLMs gewichten Informationen von bekannten Nachrichtenportalen oft stärker als eigene Blogbeiträge. Man erkennt den Effekt an einer schnelleren Änderung der KI-Antworten bei allgemeinen Anfragen. Der Aufwand ist hoch, da dies oft PR-Agenturen und Budgets erfordert.
- Aktualisieren Sie die Beschreibungen in allen App-Stores und Verzeichnissen gleichzeitig. Eine synchronisierte Änderung verhindert, dass die KI widersprüchliche Daten findet. Die Wirkung ist sichtbar, wenn die KI das neue Portfolio in einer einzigen Antwort vollständig auflistet. Der Aufwand ist gering, erfordert aber Sorgfalt.
Wenn Sie nichts unternehmen, riskieren Sie einen massiven Imageverlust. Potenzielle Kunden könnten Sie aufgrund falscher KI-Informationen als unpassend für ihre Bedürfnisse aussortieren.
Experten-Meinung
Der LLM Positioning Lag ist ein ernsthaftes Risiko für die Markenführung. Es reicht nicht mehr aus, die eigene Website zu optimieren. Wir sehen an Beispielen wie Duolingo, dass selbst eine Expansion in neue Bereiche wie Mathe oder Musik ignoriert wird. Die KI bleibt bei der ursprünglichen Definition als Sprach-App hängen. Dies geschieht, weil die historische Masse an Daten die aktuellen Updates einfach überstimmt. Unternehmen müssen verstehen, dass KI-Agenten zunehmend Käufe im Auftrag von Nutzern tätigen. Wer hier falsch positioniert ist, wird im Auswahlprozess der KI gar nicht erst berücksichtigt.
Daten und Zahlen
Die Relevanz dieses Problems wird durch die Nutzerzahlen deutlich. Die Nutzung generativer KI für Empfehlungen stieg von 25 % im Jahr 2023 auf 58 % im Jahr 2025. Das ist ein massiver Sprung in nur zwei Jahren. Dies zeigt, dass mehr als die Hälfte der Konsumenten ihre erste Meinung über eine Marke nicht mehr durch eine klassische Suche, sondern durch eine KI-Antwort bildet. Wer also einen Positioning Lag hat, verliert potenziell einen Großteil seiner Sichtbarkeit in der entscheidenden Phase der Kaufentscheidung.
Anteil der Nutzer, die Suchmaschinen für Produktempfehlungen ersetzen
Ausblick
Die Lücke zwischen Realität und KI-Wissen wird sich voraussichtlich verengen. Viele Modelle integrieren bereits eine Live-Websuche, um Training Cutoffs zu umgehen. Dennoch bleibt die Gewichtung alter Daten ein Problem. In Zukunft wird die konsistente digitale Präsenz über alle Kanäle hinweg noch wichtiger. Unternehmen müssen aktiv steuern, welche Informationen im Netz dominieren, um die KI-Antworten zu beeinflussen. Die bloße Existenz einer Website reicht zur Steuerung der Markenwahrnehmung nicht mehr aus.