Google-robots.txt-Regeln für AI-Crawler, Emojis, internationale URLs und mehr

Veröffentlicht: 2026-10-22
Autor: Marcel Christen | Seoholics
Lesezeit: 4 min

Was ist passiert?

Google hat in einem neuen Video-Format Details zur Funktionsweise der robots.txt-Datei veröffentlicht. Die Experten Gary Illyes und Cherry Prommawin erläutern, wie Googlebot und andere Crawler die Datei interpretieren. Im Fokus stehen dabei die Einhaltung technischer Standards sowie der Umgang mit Sonderzeichen und KI-Bot-Sperren.

Die Fakten

  • Die robots.txt ist eine einfache Textdatei im Stammverzeichnis einer Website. Sie dient als Steuerung für automatisierte Bots, welche Bereiche sie besuchen dürfen.
  • Google orientiert sich strikt am Internet-Standard RFC 9309. Dies ist ein technisches Regelwerk, das festlegt, wie robots.txt-Dateien aufgebaut sein müssen.
  • User-Agent-Tokens, also die Bezeichnungen für bestimmte Bots, dürfen nur aus Buchstaben und Bindestrichen bestehen. Emojis oder Sonderzeichen funktionieren hier nicht.
  • Nicht-englische Zeichen in URL-Pfaden sollten mittels Percent-Encoding geschrieben werden. Dabei werden Sonderzeichen in eine für Server lesbare Zeichenfolge aus Prozentzeichen und Zahlen umgewandelt.
  • Die robots.txt ist kein Sicherheitstool. Sie ist eine Bitte an gut benachtbarte Crawler, bestimmte Pfade nicht zu betreten, verhindert aber keinen Zugriff durch böswillige Programme.

Was bedeutet das für Dich?

Diese Informationen sind entscheidend für alle Personen, die die Indexierung ihrer Website steuern. Das betrifft insbesondere Administratoren von internationalen Seiten und Betreiber, die KI-Crawler aussperren wollen. Wer nur eine kleine, rein englischsprachige Seite ohne spezielle Bot-Anforderungen betreibt, muss meist nicht aktiv werden.

Für kleine Websites und Blogs

  1. Prüfen Sie die Syntax Ihrer Datei auf Einhaltung des RFC 9309 Standards. Nutzen Sie dafür offizielle Validierungstools, um sicherzustellen, dass keine Zeilen aufgrund von Formatfehlern ignoriert werden. Ein Erfolg zeigt sich, wenn das Tool keine Syntax-Fehler meldet. Der Aufwand ist gering und dauert wenige Minuten.
  2. Entfernen Sie alle unnötigen Kommentare oder grafischen Spielereien aus der Datei. Diese verbrauchen Bandbreite und erhöhen das Risiko für Formatierungsfehler. Ein Erfolg ist die Reduzierung der Dateigröße. Der Aufwand ist minimal.
  3. Testen Sie Ihre Disallow-Regeln an konkreten URLs. Geben Sie die URL in der Search Console ein, um zu sehen, ob Googlebot den Zugriff tatsächlich verweigert. Der Erfolg ist die Bestätigung „Blocked by robots.txt“. Der Aufwand ist moderat.

Für Onlineshops und internationale Seiten

  1. Wandeln Sie alle Sonderzeichen und Umlaute in URL-Pfaden in das Percent-Encoding-Format um. Dies stellt sicher, dass auch ältere Crawler die Sperren korrekt interpretieren. Ein Erfolg ist die konsistente Sperrung der Pfade über verschiedene Bots hinweg. Der Aufwand ist hoch, falls viele lokale URLs existieren.
  2. Identifizieren Sie die exakten User-Agent-Token für die KI-Bots, die Sie blockieren möchten. Verwenden Sie keine allgemeinen Begriffe, sondern die offiziell anerkannten Bezeichnungen der jeweiligen Anbieter. Der Erfolg zeigt sich in den Server-Logs durch ein Ausbleiben der Zugriffe dieser Bots. Der Aufwand ist moderat.
  3. Trennen Sie die Steuerung des Crawlings strikt von den Richtlinien zum KI-Training. Das Blockieren des Zugriffs ist nicht dasselbe wie das Verbot, bereits indexierte Inhalte für das Training zu nutzen. Ein Erfolg ist die rechtliche und technische Klarheit in der Datei. Der Aufwand ist gering.

Wenn Sie nichts unternehmen, riskieren Sie, dass Googlebot oder KI-Crawler Bereiche Ihrer Seite indexieren, die eigentlich privat bleiben sollten. Fehlerhafte Syntax führt dazu, dass Google die entsprechende Zeile einfach ignoriert.

Experten-Meinung

Die Aussage von Gary Illyes verdeutlicht, dass die robots.txt eine „einfache Maschine“ ist. Sie erkennt nur wenige Befehle wie User-agent, Allow, Disallow und Sitemap. Wer versucht, die Datei kreativ zu gestalten, scheitert an der technischen Umsetzung. Ein besonders wichtiger Punkt ist die Warnung vor einer falschen Sicherheit. Die Datei ist lediglich ein „Türsteher“ für höfliche Gäste. Sie bietet keinen Schutz gegen Hacker oder spezialisierte Scraper, die sich nicht an den Standard halten. Die strikte Einhaltung des RFC 9309 ist daher die einzige Methode, um Vorhersagbarkeit in der Indexierung zu gewährleisten.

Daten und Zahlen

In dem Video wird ein extremes Beispiel für eine schlecht optimierte Datei genannt. Eine Website nutzte eine robots.txt, die zu 97 Prozent aus Skripten bestand. Nur 3 Prozent der Datei enthielten tatsächliche Anweisungen für die Crawler. Dies führte nicht zwangsläufig zu einem Absturz des Parsers, also des Programms, das die Datei liest. Es verursachte jedoch eine unnötige Verschwendung von Bandbreite. Dieser Vergleich zeigt, dass Effizienz und Standardisierung wichtiger sind als individuelle Gestaltung.

Ausblick

Die Diskussion um generative KI wird die Anforderungen an die robots.txt weiter verschärfen. Es ist zu erwarten, dass immer mehr spezifische User-Agent-Token für neue KI-Modelle auftauchen. Webmaster müssen ihre Dateien daher regelmäßig aktualisieren. Die Standardisierung durch RFC 9309 wird dabei die Basis bleiben, um eine Kommunikation zwischen Server und Bot zu ermöglichen. Wer jetzt auf saubere Syntax und korrektes Encoding setzt, ist für zukünftige Crawler-Updates gerüstet.

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