Veröffentlicht: 2026-10-25
Autor: Marcel Christen | Seoholics
Lesezeit: 4 min
Was ist passiert?
Google hat wichtige technische Klarstellungen zu Server-Fehlern, der Steuerung von KI-Crawlern und der URL-Struktur veröffentlicht. Besonders relevant ist die Empfehlung zur Nutzung des 503-Statuscodes bei Wartungsarbeiten sowie die Handhabung von Sonderzeichen in URLs. Zudem wurde bestätigt, dass das neue Bildformat JPEG XL noch nicht in der Google Bildersuche unterstützt wird.
- Wartungsmodus korrekt konfigurieren
- URL-Konsistenz prüfen
- Bild-Fallbacks implementieren
- KI-Zugriff steuern
Die Fakten
- 503-Statuscode: Google empfiehlt bei PHP-Updates den Statuscode 503 (Service Unavailable). Dieser teilt der Suchmaschine mit, dass die Seite nur kurzzeitig nicht erreichbar ist. So bleiben indexierte URLs im Suchindex erhalten.
- Robots.txt und KI: Die Robots.txt steuert nur das Crawlen (das automatisierte Auslesen der Seite). Sie regelt nicht, wie die Inhalte nach dem Auslesen für KI-Trainings verwendet werden. Hierfür nutzt Google den Token Google-Extended.
- URL-Klammern: Eckige Klammern in URLs und deren kodierte Form (%5B und %5D) werden als unterschiedliche URLs behandelt. Google crawlt beide Versionen und muss entscheiden, welche als Original gilt.
- Bildformate: JPEG XL wird aktuell nicht in Google Images oder in Discover-Vorschauen unterstützt. Unterstützt werden BMP, GIF, JPEG, PNG, WebP, SVG und AVIF.
- KI-Agenten: Laut Sundar Pichai werden KI-Agenten Webseiten künftig sowohl durch klassisches Browsing als auch über spezielle Protokolle aufrufen.
Was bedeutet das für Dich?
Diese Neuerungen betreffen vor allem Webentwickler, Shop-Betreiber mit eigenen Servern und SEO-Verantwortliche. Wer rein statische Seiten ohne PHP-Backend nutzt, kann die Hinweise zum 503-Fehler ignorieren.
Für Onlineshops und dynamische Seiten
- Wartungsmodus korrekt konfigurieren: Richten Sie bei Server-Patches eine Routing-Regel in Ihrem CDN (Content Delivery Network) oder auf dem DNS-Server ein, die einen 503-Statuscode ausgibt. Sie erkennen den Erfolg daran, dass Ihre Seiten nach dem Update sofort wieder auf den gewohnten Positionen in der Suche erscheinen. Der Aufwand ist gering, sofern ein CDN genutzt wird.
- URL-Konsistenz prüfen: Kontrollieren Sie, ob in Ihren Links oder Canonical-Tags (Hinweis auf die bevorzugte URL-Version) eckige Klammern in roher oder kodierter Form vorkommen. Ein Erfolg ist erreicht, wenn nur noch eine Variante konsistent über die gesamte Seite genutzt wird. Der Aufwand ist bei großen Shops hoch, da viele Links geprüft werden müssen.
- Bild-Fallbacks implementieren: Nutzen Sie für JPEG XL Bilder das HTML-Element picture. Setzen Sie innerhalb dieses Elements ein img-Tag mit einem unterstützten Format wie WebP oder AVIF als Fallback. Google erkennt dann das unterstützte Bild im src-Attribut (Quellangabe des Bildes). Der Aufwand ist moderat und betrifft nur die Template-Änderung.
Für Content-Redaktionen
- KI-Zugriff steuern: Nutzen Sie den User-Agent Google-Extended in der Robots.txt, wenn Sie nicht möchten, dass Ihre Inhalte für das Training von Gemini genutzt werden. Dies wirkt sofort, sobald der Crawler die Datei ausliest. Der Aufwand ist minimal, da nur eine Zeile Text hinzugefügt wird.
Wenn Sie diese technischen Anpassungen ignorieren, riskieren Sie bei Wartungsarbeiten einen temporären Verlust von Rankings. Zudem können inkonsistente URLs zu Duplicate Content führen, wodurch Google die falsche Version Ihrer Seite indexiert.
Experten-Meinung
Die Klarstellung zu den Klammern in URLs zeigt, dass selbst Google-Experten wie John Mueller seine Einschätzungen korrigieren. Es verdeutlicht die strikte Einhaltung des RFC 3986 Standards für URI-Syntax. Dass die Robots.txt lediglich ein „Zugriffspräferenz-Protokoll“ ist, unterstreicht die aktuelle Lücke zwischen Crawling und KI-Nutzung. Die Industrie wartet hier auf den im Entwurf befindlichen Content-Usage-Standard. Bis dahin bleibt die Steuerung über spezifische Token wie Google-Extended das einzige Mittel, um die Nutzung von Inhalten für KI-Modelle zu begrenzen, ohne die Sichtbarkeit in der Suche zu gefährden.
Daten und Zahlen
Ein Pilotprojekt von Cloudflare und OpenAI zeigt die Dynamik bei KI-Crawlern. Dabei wurde eine Gruppe von etwa 1 Prozent des Cloudflare-Netzwerks genutzt. Dies half OpenAI, hunderte Millionen neuer Webseiten zu finden und zu indexieren. In Bezug auf die Server-Verfügbarkeit warnt Google, dass 503-Fehler nicht länger als 1 bis 2 Tage ausgesendet werden sollten. Werden die Fehler über mehrere Tage gesendet, kann Google die betroffenen URLs aus dem Index entfernen.
Ausblick
Die Zukunft gehört den KI-Agenten. Google plant eine engere Verzahnung von Suche und Gemini. Während das klassische Browsen durch Agenten wie Google-Agent kurzfristig bleibt, werden langfristig skalierbare Protokolle wie der Universal Commerce Protocol wichtiger. Diese ermöglichen es KI-Systemen, Transaktionen und Abfragen effizienter abzuwickeln, ohne jede Seite manuell zu lesen. Webseitenbetreiber sollten sich auf eine Welt vorbereiten, in der ihre Daten nicht mehr nur für Menschen, sondern primär für Maschinen optimiert werden.