Veröffentlicht: 2026-08-17
Autor: Jule | Seoholics
Lesezeit: 3 min
Was ist passiert?
Europäische Publisher sind derzeit überproportional stark von KI-Bot-Scraping betroffen, wobei insbesondere die Einhaltung von robots.txt-Anweisungen massiv ignoriert wird. Die Daten zeigen eine steigende Diskrepanz zwischen dem Volumen der extrahierten Inhalte und den tatsächlichen Referrals zurück zu den Website-Betreibern.
Die Fakten
- Steigendes Scraping-Volumen: Die KI-Scrapes auf europäischen Seiten stiegen zwischen Januar und Juni 2026 um fast 20 %.
- Verschlechterung der Referral-Rate: Das Verhältnis von Scrapes zu Referrals verschlechterte sich von 150:1 (Q1 2026) auf 227:1 (Q2 2026).
- Ignorieren von robots.txt: Die Anweisungen zur Scraping-Unterbindung wurden auf europäischen Seiten fast dreimal häufiger ignoriert als auf nordamerikanischen Seiten.
- Zunahme nicht-englischer Daten: Der Anteil europäischer Länder-Domains in Common Crawl stieg von 4,75 % im Jahr 2009 auf fast 29,98 % im Jahr 2026.
- Hohe Bot-Intensität: Bei einzelnen Publishern liegt der Anteil der KI-Besuche bei bis zu einem KI-Agenten pro 10 menschlichen Besuchern.
Was bedeutet das für Dich?
Die steigende Nachfrage nach mehrsprachigen Trainingsdaten führt dazu, dass europäische Inhalte aggressiver abgegriffen werden, ohne dass ein nennenswerter Traffic-Ausgleich erfolgt. Da die robots.txt zunehmend als Option und nicht als Regel behandelt wird, müssen Website-Betreiber technische Hürden implementieren.
Konkrete Handlungsempfehlungen:
- Bot-Monitoring verschärfen: Analysiere deine Server-Logs gezielt auf User-Agents von KI-Scrapern und vergleiche die Anfragen mit den tatsächlich in der Search Console erfassten Referrals.
- Technische Barrieren implementieren: Setze auf fortschrittliche Scraping-Methoden zur Abwehr, wie z. B. Rate Limiting, CAPTCHAs bei anomalem Zugriffsmuster oder die Nutzung von Web Application Firewalls (WAF).
- Authentifizierung prüfen: Behalte Entwicklungen wie die Web Bot Authentifizierung für KI-Agenten-Anfragen im Auge, um zukünftig zwischen legitimen Crawlern und aggressiven Scrapern zu unterscheiden.
- Content-Strategie anpassen: Optimiere Inhalte so, dass sie einen Mehrwert bieten, der über die reine Information hinausgeht (z. B. durch proprietäre Daten oder Experten-Meinungen), um die Abhängigkeit von reinen Informations-Referrals zu verringern.
Experten-Meinung
Die Diskrepanz zwischen Europa und Nordamerika lässt sich primär durch die sprachliche Vielfalt erklären. Während englischsprachige Daten weitgehend gesättigt sind, investieren Big Tech Unternehmen massiv in die Relevanz für mehrsprachige Zielgruppen.
„Die Verbrauchernachfrage nach nicht-englischsprachigen Informationen beeinflusst die Strategien der KI-Unternehmen und ihrer Datenlieferanten“, so Grzegorz Piechota, Forscher bei INMA.
Dies führt dazu, dass europäische Publisher unfreiwillig zu primären Datenlieferanten für LLMs werden, ohne dass die klassischen Mechanismen der Suchmaschinenoptimierung (Link-Referrals) greifen.
Daten und Zahlen
Ein Vergleich der regionalen Ausprägung zeigt ein differenziertes Bild. Während nordamerikanische Seiten in absoluten Zahlen mehr Bot-Anfragen erhalten, ist der prozentuale Anteil des Bot-Traffics im Verhältnis zum Gesamttraffic bei europäischen Publishern signifikant höher.
Die Nutzung von KI-Modellen wie Claude unterstreicht diesen Trend: Nur etwa 21,6 % der Gesamtnutzung entfallen auf die USA, was den enormen Bedarf an nicht-englischen Trainingsdaten belegt, die aus europäischen Quellen gescrapt werden.
Ausblick
Es ist zu erwarten, dass der Druck auf europäische Publisher weiter zunimmt, da KI-Modelle für lokale Märkte optimiert werden. Die Zeit der „Gentlemen’s Agreements“ via robots.txt ist vorbei. Die Industrie wird sich vermutlich in Richtung kostenpflichtiger Lizenzmodelle für Trainingsdaten bewegen oder die technischen Abwehrmechanismen auf Serverebene werden zum Standard für jeden professionellen Publisher.