KI in jedem Artikel nutzen, ohne minderwertigen KI-Content zu erstellen

Veröffentlicht: 2026-08-29
Autor: Marcel Christen | Seoholics
Lesezeit: 3 min

Was ist passiert?

Ahrefs hat eine Strategie veröffentlicht, wie KI-Unterstützung beim Schreiben ohne Qualitätsverlust funktioniert. Das Unternehmen nutzt eine eigene Pipeline, die Artikel in sechs bis zwölf Minuten erstellt. Entscheidend ist dabei nicht die Technik, sondern die menschliche Kontrolle in jedem Arbeitsschritt.

Was zu tun ist
  1. Planung vor dem Prompting
  2. Einphasiges Arbeiten
  3. Prüfung der Belege
  4. Einbindung proprietärer Daten
  5. Einführung von Kontrollgattern
  6. Menschliche Zweitprüfung

Die Fakten

  • Ahrefs nutzt KI-Tools für jeden einzelnen veröffentlichten Artikel.
  • Eine automatisierte Pipeline kann Recherche, Gliederung, Entwurf und Faktencheck innerhalb von sechs bis zwölf Minuten erledigen.
  • KI-Slop wird definiert als Inhalte, die ohne ausreichendes menschliches Verständnis, Urteilsvermögen oder originäre Beiträge veröffentlicht werden.
  • Der Fokus verschiebt sich von der eigentlichen Schreibarbeit hin zur Planung und Steuerung im Vorfeld.
  • Ein effektiver Workflow trennt die Erstellung in verschiedene Phasen, wie etwa die Ideenfindung, die Gliederung und die Evidenzprüfung.

Was bedeutet das für Dich?

Diese Vorgehensweise betrifft alle Redakteure und Shop-Betreiber, die KI zur Content-Erstellung nutzen. Sie betrifft ausdrücklich nicht Personen, die KI nur für kurze Produktbeschreibungen oder Meta-Texte verwenden.

Für kleine Websites

  1. Planung vor dem Prompting: Definieren Sie vor jedem Text die Zielgruppe, das Versprechen an den Leser und den eigenen Standpunkt. Sie erkennen den Erfolg daran, dass die KI nicht mehr raten muss, sondern konkrete Anweisungen erhält. Der Aufwand ist gering und nimmt etwa zehn Minuten Zeit in Anspruch.
  2. Einphasiges Arbeiten: Trennen Sie Brainstorming, Gliederung und Entwurf in separate Chat-Sitzungen. Das Ergebnis ist ein Text, der nicht nur aus Füllmaterial besteht, sondern eine logische Struktur hat. Dieser Prozess ist moderat aufwendig, da er mehrere Interaktionen mit der KI erfordert.
  3. Prüfung der Belege: Verifizieren Sie jede Behauptung manuell durch eigene Tests oder Quellen. Sie merken, dass es wirkt, wenn Sie im Text konkrete Beweise statt vager Aussagen stehen haben. Der Aufwand ist hoch, da jeder Fakt einzeln geprüft werden muss.

Für Onlineshops

  1. Einbindung proprietärer Daten: Füttern Sie die KI mit internem Wissen, wie Kundenfeedback oder Produkttests. Das Ergebnis ist ein Content-Stück, das Informationen enthält, die nicht bereits in den Suchergebnissen stehen. Der Aufwand ist mittel, da Daten erst gesammelt werden müssen.
  2. Einführung von Kontrollgattern: Etablieren Sie feste Prüfpunkte zwischen Gliederung und fertigem Entwurf. Sie sehen den Erfolg daran, dass minderwertige Texte bereits in der Gliederungsphase aussortiert werden. Der Aufwand ist gering, erfordert aber eine disziplinierte Arbeitsweise.
  3. Menschliche Zweitprüfung: Lassen Sie jeden KI-Entwurf von einer zweiten Person auf Logik und Mehrwert prüfen. Das wirkt, indem typische KI-Floskeln und falsche Behauptungen vor der Veröffentlichung entfernt werden. Der Aufwand ist moderat, da eine zweite Person involviert wird.

Wenn Sie nichts unternehmen, produzieren Sie sogenannten KI-Slop. Das ist minderwertiger Content, der die Arbeit vom Ersteller auf den Leser überträgt und langfristig das Vertrauen der Nutzer zerstört.

Experten-Meinung

Die Gefahr bei KI-Texten ist die sogenannte Sunk-Cost Fallacy. Das ist der psychologische Effekt, bei dem man an einer schlechten Idee festhält, nur weil man bereits Zeit oder Ressourcen investiert hat. Da die KI in wenigen Minuten tausende Wörter produziert, neigen Nutzer dazu, diese zu optimieren, statt die Grundidee infrage zu stellen. Ein professioneller Workflow muss daher bewusst Unterbrechungen schaffen. Nur so wird der Mensch vom reinen Lektor zum strategischen Entscheider. Der Fokus liegt auf dem sogenannten Information Gain. Das bedeutet, dass ein Text einen echten neuen Mehrwert liefern muss, den die Konkurrenz nicht bietet.

Daten und Zahlen

Die technische Umsetzung bei Ahrefs zeigt die Geschwindigkeit moderner Systeme. Eine Pipeline kann einen fast fertigen Artikel in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Minuten generieren. Theoretisch ermöglicht dies die Produktion von zehntausenden Artikeln. Ahrefs verzichtet jedoch auf diese Masse. Die Qualität wird durch die Trennung der Arbeitsschritte gesichert. Die Zeitersparnis beim Schreiben wird gezielt in die strategische Planung und die Verifizierung von Daten investiert. So wird die Effizienz gesteigert, ohne die inhaltliche Tiefe zu opfern.

Ausblick

Die Zukunft des Content-Marketings liegt nicht in der maximalen Automatisierung. Es geht vielmehr darum, die KI als Werkzeug für die Strukturierung von menschlichem Expertenwissen zu nutzen. Wer nur Standard-Prompts verwendet, wird austauschbare Inhalte produzieren. Der Wettbewerbsvorteil verschiebt sich hin zu denen, die exklusive Daten und echte Praxiserfahrungen in den Prozess einbringen. Die Rolle des Redakteurs wandelt sich vom Texter zum Kurator und Strategen.

Verwandte Artikel