Veröffentlicht: 2026-09-04
Autor: Thomas Hintz | Seoholics
Lesezeit: 3 min
Was ist passiert?
Eine Analyse von Algorithmwatch zu Googles KI-Übersichten zeigt eine reduzierte Ausspielungsrate bei wahlbezogenen Suchanfragen. Die Untersuchung stützt sich auf Daten der „Search Researcher Result“-Schnittstelle. Es wurde festgestellt, dass Google bei politischen Themen restriktiver steuert, welche Informationen in den KI-Zusammenfassungen erscheinen und welche Quellen herangezogen werden.
Ausspielungsrate von KI-Übersichten bei wahlbezogenen Anfragen
Dies ist deutlich geringer als bei nicht-politischen Anfragen wie Reisezielen, die bei 65,3% liegen.
Die Fakten
Die Untersuchung liefert folgende Erkenntnisse zur Funktionsweise der KI-Übersichten im Kontext der Landtagswahlen 2026:
- Algorithmwatch analysierte knapp 4.500 Suchanfragen zu Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern sowie zur Abgeordnetenwahl in Berlin.
- Die Ausspielungsrate von KI-Übersichten bei wahlbezogenen Anfragen lag bei 39,1%.
- Im Vergleich dazu wurden bei nicht-politischen Anfragen, wie etwa zu Reisezielen, in 65,3% der Fälle KI-Übersichten angezeigt.
- Die Analyse deutet darauf hin, dass Google gezielt steuert, wann eine KI-Übersicht erscheint und welche Quellen zitiert werden.
- Die Ergebnisse legen nahe, dass die Inhalte in diesen Übersichten nicht immer neutral formuliert sind.
Was bedeutet das für Dich?
Diese Entwicklung betrifft primär Publisher und SEOs, die im Bereich „Your Money Your Life“ (YMYL) tätig sind oder politische Inhalte produzieren. Wer auf neutrale Informationsbereitstellung und hohe Sichtbarkeit in KI-generierten Antworten setzt, muss mit einer selektiven Sichtbarkeit rechnen. Agenturen, die rein auf klassischen Traffic-Metriken basieren, werden eine Verschiebung der Klickraten bei sensiblen Themen bemerken.
- Audit der Sichtbarkeit in KI-Übersichten: Prüfen Sie gezielt, bei welchen politischen oder regulatorischen Keywords Ihre Inhalte in der KI-Zusammenfassung erscheinen und welche Wettbewerber stattdessen zitiert werden. Eine Wirkung ist erkennbar, wenn Sie eine Liste der „bevorzugten“ Quellentypen für Ihre Nische erstellt haben. Der Aufwand ist mittel, da manuelle Tests oder spezialisierte Monitoring-Tools nötig sind.
- Anpassung der Quellen-Autorität: Optimieren Sie Ihre Inhalte auf maximale Faktentreue und neutrale Tonalität, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, als vertrauenswürdige Quelle für die KI ausgewählt zu werden. Ein Erfolg zeigt sich durch eine stabilere Präsenz in den Zitat-Links der KI-Übersicht bei politischen Themen. Der Aufwand ist hoch, da eine redaktionelle Überarbeitung bestehender Texte erforderlich ist.
- Diversifizierung der Traffic-Kanäle: Reduzieren Sie die Abhängigkeit von KI-Übersichten durch den Aufbau einer direkten Nutzerbindung, da die Ausspielung bei sensiblen Themen instabil bleibt. Die Wirkung misst man an einem steigenden Anteil an Direct-Traffic im Verhältnis zu Search-Traffic. Der Aufwand ist langfristig hoch, da es sich um eine strategische Neuausrichtung handelt.
Für Nachrichtenseiten und Blogs
Hier steht die neutrale Berichterstattung im Vordergrund. Da Google bei politischen Themen restriktiver agiert, sollten Sie auf eine klare Strukturierung Ihrer Fakten achten, um die Extraktion durch die KI zu erleichtern.
Für politische Kampagnen und Organisationen
Die Steuerung der KI-Übersichten erfolgt nach internen Google-Kriterien. Verlassen Sie sich nicht auf die KI-Zusammenfassung als primäres Informationsmedium für Wähler, sondern optimieren Sie auf die klassischen organischen Positionen unterhalb der KI-Box.
Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, sinkt die Sichtbarkeit bei politisch relevanten Suchanfragen, da die KI-Übersichten als primärer Einstiegspunkt fungieren und Quellen selektiv auswählen.
Experten-Meinung
Die Beobachtung, dass KI-Übersichten bei politischen Themen seltener erscheinen, folgt einem bekannten Muster. Google reduziert bei riskanten Themen die Automatisierung, um Halluzinationen und Vorwürfe der Manipulation zu vermeiden. Dass die Rate bei wahlbezogenen Inhalten auf 39,1% sinkt, während sie bei Reiseanfragen bei 65,3% liegt, belegt eine bewusste algorithmische Filterung. Es ist kein technisches Versagen, sondern eine Risiko-Management-Strategie. Für uns bedeutet das: Die „Sichtbarkeit“ in KI-Antworten ist bei sensiblen Themen kein reines SEO-Problem, sondern unterliegt redaktionellen Filtern von Google.
Daten und Zahlen
Der Vergleich der Ausspielungsraten verdeutlicht die Differenzierung nach Themengebieten. Bei nicht-politischen Anfragen zeigt Google in 65,3% der Fälle eine KI-Übersicht. Bei wahlbezogenen Inhalten sinkt dieser Wert auf 39,1%. Die Differenz zwischen diesen beiden Werten zeigt die Vorsicht des Algorithmus bei politischen Inhalten. Die Datenbasis von knapp 4.500 Suchanfragen erlaubt eine erste Einordnung der Tendenz, wobei die Nutzung der „Search Researcher Result“-Schnittstelle eine präzisere Messung ermöglichte als einfache manuelle Abfragen.
Vergleich wahlbezogene vs. nicht-politische Anfragen
Ausblick
Es ist zu erwarten, dass Google die Kriterien für die Ausspielung von KI-Übersichten bei Wahlen weiter verfeinert. Die Selektion der Quellen wird vermutlich strenger an etablierte Vertrauenssignale geknüpft werden. SEOs sollten beobachten, ob die Ausspielungsrate von 39,1% in anderen YMYL-Bereichen ebenfalls sinkt oder ob es sich um eine spezifische Maßnahme für Wahlperioden handelt. Die Messung der Quellen-Diversität in diesen Boxen wird zum neuen KPI für politische Kommunikation.