Veröffentlicht: 2026-09-11
Autor: Thomas Hintz | Seoholics
Lesezeit: 3 min
Was ist passiert?
Omnicom hat das Media-Geschäft von PepsiCo an Publicis verloren. Die Zusammenarbeit bestand über 25 Jahre. Das Management von Omnicom gibt an, von der Entscheidung überrascht worden zu sein und führt nun eine Ursachenanalyse durch, um künftige Abwanderungen zu verhindern.
- Audit der Kundenloyalität durchführen
- Beziehungsnetzwerke über die operative Ebene erweitern
- Wettbewerbs-Monitoring verschärfen
Die Fakten
- PepsiCo beendete die Zusammenarbeit mit Omnicom nach einer Dauer von mehr als 25 Jahren.
- Der Wechsel erfolgte ohne die Möglichkeit für Omnicom, gegen die Entscheidung zu argumentieren oder ein Gegenangebot zu unterbreiten.
- Omnicom behält weiterhin die Verantwortung für PR, Creative und Teile des Sportmarketings von PepsiCo.
- Die Geschäftsführung von Omnicom führt eine detaillierte Dekonstruktion und Root-Cause-Analysis durch, um die Gründe des Verlusts zu identifizieren.
- Das Unternehmen sieht keine Auswirkungen auf die Geschäftserwartungen für das Jahr 2027.
Was bedeutet das für Dich?
Diese Nachricht betrifft vor allem Agenturinhaber und Account-Manager, die auf langfristige Retainer-Verträge setzen. Sie betrifft ausdrücklich nicht jene Dienstleister, die bereits ein Modell der kontinuierlichen Neugewinnung und Validierung ihrer Leistung innerhalb bestehender Kundenbeziehungen implementiert haben.
- Audit der Kundenloyalität durchführen: Analysieren Sie bei jedem Kunden, der länger als 3 Jahre im Haus ist, ob die aktuelle Leistung noch dem ursprünglichen Pitch entspricht oder ob eine Gewöhnung eingetreten ist. Ein Erfolg ist messbar, wenn Sie pro Quartal ein schriftliches Feedback-Protokoll über den aktuellen Mehrwert vorlegen können. Der Aufwand ist moderat und erfordert 1 bis 2 Stunden pro Key-Account.
- Beziehungsnetzwerke über die operative Ebene erweitern: Stellen Sie sicher, dass die Verbindung zum Kunden nicht nur über eine Person, etwa den CMO, läuft, sondern auf mehreren Management-Ebenen existiert. Die Wirkung zeigt sich, wenn bei einem Personalwechsel auf Kundenseite die Zusammenarbeit nicht unmittelbar gefährdet ist. Der Aufwand ist hoch, da dies eine strategische Neuausrichtung der Kommunikation erfordert.
- Wettbewerbs-Monitoring verschärfen: Beobachten Sie die Bewegungen von Führungskräften Ihrer Kunden und deren frühere Verbindungen zu konkurrierenden Agenturen. Ein Erfolg liegt vor, wenn Sie potenzielle Wechselrisiken identifizieren, bevor eine Kündigung ausgesprochen wird. Der Aufwand ist gering und kann durch regelmäßiges Monitoring von Branchennachrichten erfolgen.
Für Agenturen mit Key-Accounts
Bei sehr großen Kunden besteht die Gefahr der „blinden Stelle“, bei der die Agentur davon ausgeht, dass die Historie der Zusammenarbeit die Sicherheit garantiert. Hier muss die Leistung aktiv bewiesen werden, anstatt sich auf die Betriebszugehörigkeit zu verlassen.
Für kleinere Agenturen
Kleine Agenturen können diesen Fall nutzen, um sich als flexiblere Alternative zu positionieren, falls große Holdings durch starre Prozesse den Anschluss an die aktuellen Bedürfnisse der CMOs verlieren.
Wenn man nichts unternimmt, riskiert man, dass langjährige Kunden ohne Vorwarnung abwandern, da die emotionale Bindung nicht mehr mit dem geschäftlichen Nutzen korreliert.
Experten-Meinung
Der Verlust eines Kunden nach mehr als 25 Jahren ist ein Muster, das oft auftritt, wenn eine Agentur in eine Komfortzone gerät. Phil Angelastro bestätigt dies indirekt, indem er den Vorfall als „Enttäuschung“ bezeichnet und eine „Root Cause Analysis“ einleitet. In der Branche wiederholt sich oft das Szenario, dass neue CMOs eigene Netzwerke mitbringen oder die bestehende Agentur nicht mehr als innovativ wahrnehmen. Die Tatsache, dass Omnicom „überrascht“ wurde, deutet auf eine mangelhafte Risikoanalyse innerhalb des Account-Managements hin. Langfristige Beziehungen sind kein Schutzschild gegen strategische Neuausrichtungen des Kunden.
Daten und Zahlen
Die finanziellen Auswirkungen werden anhand von Schätzungen bewertet. Laut ComVergence belaufen sich die globalen Media-Ausgaben von PepsiCo auf rund 1,8 Milliarden Dollar. Madison and Wall schätzen die tatsächlichen Honorareinnahmen von Omnicom aus diesem Geschäft auf etwa 100 Millionen Dollar. Im Verhältnis zu einer EBITA-Marge von 21 Prozent stellt dies einen absorbierbaren Verlust dar. Die zeitliche Perspektive des Managements ist auf das Jahr 2027 ausgerichtet, für das die Erwartungen trotz des Verlusts stabil bleiben.
Ausblick
Es bleibt abzuwarten, ob Omnicom die frei gewordenen Kapazitäten nutzt, um das Media-Geschäft von Coca-Cola zu akquirieren, nachdem Publicis Teile dieses Accounts aufgegeben hat. Die angekündigte Prozessoptimierung bei Omnicom wird zeigen, ob das Unternehmen seine Strategie zur Kundenbindung grundlegend ändert oder lediglich die operative Analyse vertieft. Die Reaktion anderer CMOs auf diesen Wechsel könnte weitere Marktbewegungen auslösen.