Veröffentlicht: 2026-08-28
Autor: Marcel Christen | Seoholics
Lesezeit: 3 min
Was ist passiert?
Die Creator Economy bewegt sich in Richtung einer Automatisierung. Plattformen bauen derzeit eigene Systeme auf, um das Marketing mit Influencern wie programmatische Werbung zu steuern. Das bedeutet, dass die Suche und Buchung von Content-Erstellern zunehmend durch Algorithmen und KI-gestützte Dashboards erfolgt.
Anzahl der Creator bei Unilever
Dieses Volumen verdeutlicht die Notwendigkeit von Automatisierung, da es manuell kaum handhabbar wäre.
Die Fakten
- Die Plattform LTK hat ein KI-gestütztes Angebot gestartet. Es hilft Marketern dabei, Kampagnen zu strukturieren und Creator zu identifizieren.
- Große Werbeholding-Gesellschaften kaufen gezielt Technologie-Firmen im Influencer-Bereich auf.
- Automatisierte Systeme sollen die Discovery, also das Finden von Partnern, sowie Preisgestaltung und Verträge vereinfachen.
- Einige Unternehmen skalieren massiv. Unilever arbeitet beispielsweise mit einer Armee von 300.000 Creatoren.
- LTK nutzt für seine Commerce-Intelligence Daten aus 15 Jahren. Diese beinhalten über 100 Milliarden Commerce-Signale.
Was bedeutet das für Dich?
Diese Entwicklung betrifft vor allem Shop-Betreiber und Marketer, die mit externen Content-Erstellern zusammenarbeiten. Wer auf Masse und schnelle Skalierung setzt, profitiert von diesen Tools. Wer jedoch exklusive, tiefgreifende Markenpartnerschaften pflegt, muss bei der Automatisierung vorsichtig sein.
Für Onlineshops
- Prüfen Sie, ob Sie auf programmatische Tools für die Creator-Suche setzen. Nutzen Sie diese Dashboards, um schnell viele kleine Partner für Affiliate-Kampagnen zu finden. Das wirkt, wenn die Anzahl der aktiven Partner in Ihrem Dashboard steigt, ohne dass der manuelle Aufwand wächst. Der Aufwand ist gering, da die Software die Vorauswahl trifft.
- Analysieren Sie die Performance Ihrer Creator-Kampagnen über standardisierte Metriken. Verknüpfen Sie die Daten der Plattformen direkt mit Ihren Verkaufszahlen. Sie erkennen den Erfolg an einem stabilen Return on Investment pro Creator. Der Aufwand ist mittel, da eine technische Anbindung der Schnittstellen nötig ist.
- Achten Sie bei der automatisierten Buchung auf die Qualität des Contents. Prüfen Sie stichprobenartig, ob die Beiträge authentisch wirken oder wie generischer KI-Content aussehen. Sie merken es an sinkenden Interaktionsraten der Nutzer. Der Aufwand ist hoch, da eine manuelle Qualitätskontrolle Zeit kostet.
Für kleine Websites
- Positionieren Sie sich als spezialisierter Partner statt als austauschbares Werbeinventar. Betonen Sie in Ihrem Portfolio die individuelle kreative Leistung. Dies wirkt, wenn Marken Sie für spezifische Kampagnen anfragen und nicht nur über Plattformen buchen. Der Aufwand ist mittel, da Sie Ihre Eigenvermarktung anpassen müssen.
- Nutzen Sie die Daten von Plattformen, um Ihre eigenen Preise zu rechtfertigen. Vergleichen Sie Ihre Performance-Werte mit den Marktstandards der Tools. Sie sehen den Erfolg an höheren Honoraren bei gleicher Reichweite. Der Aufwand ist gering, da die Daten oft in den Creator-Profilen stehen.
Wenn Sie diese Trends ignorieren, riskieren Sie zwei Dinge. Entweder verlieren Sie die Effizienz bei der Skalierung an die Konkurrenz. Oder Sie werden durch die Automatisierung zu einer austauschbaren Ware ohne eigene Preisgestaltungsmacht.
Experten-Meinung
Die Branche ist gespalten zwischen Effizienz und Authentizität. Natalie Silverstein von Collectively betont, dass Influencer-Marketing eine Kombination aus Kunst und Wissenschaft ist. Die Kunst ist jedoch der entscheidende Faktor für den Erfolg. Gabe Gordon vom Reach Agency warnt vor „AI Slop“, also minderwertigen KI-Inhalten. Er sieht die Gefahr, dass durch die Standardisierung das menschliche Vertrauen verloren geht. Creator sind keine austauschbaren Werbeflächen. Wenn die menschliche Urteilskraft durch Algorithmen ersetzt wird, bricht der Wertaustausch zwischen Creator und Käufer zusammen.
Daten und Zahlen
Die Skalierbarkeit zeigt sich am Beispiel von Unilever. Das Unternehmen steuert 300.000 Creator. Dies wäre ohne Automatisierung kaum handhabbar. Die technische Basis für solche Systeme ist enorm. LTK stützt seine Entscheidungen auf Daten aus 15 Jahren. Diese beinhalten mehr als 100 Milliarden Commerce-Signale. Solche Mengen an Datenpunkten waren früher nicht analysierbar. Heute ermöglichen sie es, Media-Werte präzise zu messen und Zielgruppen kontextuell anzusprechen.
Ausblick
Der Markt wird sich weiter in zwei Richtungen spalten. Auf der einen Seite steht das skalierbare „Word of Mouth“ über Affiliate-Modelle. Hier wird die Automatisierung dominieren. Auf der anderen Seite bleiben maßgeschneiderte Kampagnen in Nischen. Diese lassen sich schwer standardisieren. Es fehlt derzeit an einer einheitlichen kreativen Einheit, die man wie ein klassisches Banner-Ad messen könnte. Die Entwicklung von solchen Standards wird die nächste große Herausforderung der Branche sein.