Veröffentlicht: 2026-09-10
Autor: Marcel Christen | Seoholics
Lesezeit: 4 min
Was ist passiert?
Ein neuer Trend namens Ghost Creator rückt in den Fokus des digitalen Marketings. Dabei bezahlen Marken Personen, die unter Pseudonymen oder anonym Inhalten erstellen. Diese Personen handeln als reine Dienstleister. Sie bauen keine eigene Marke auf, sondern setzen strikte Vorgaben der Auftraggeber um.
organische Videos pro Woche
Diese Menge wurde von dem Unternehmen Virelox bis August veröffentlicht.
Die Fakten
Ghost Creator sind sogenannte Content-Operatoren. Sie produzieren Inhalte basierend auf präzisen Briefings, also detaillierten Arbeitsanweisungen. Oft nutzen sie Pseudonyme, um ihre echte Identität zu verbergen. Das Ziel ist die Erstellung von User Generated Content (UGC). Das sind Inhalte, die von Nutzern und nicht direkt von Unternehmen erstellt wurden.
Ein Beispiel ist das Unternehmen Virelox. Diese Firma nutzte bis April dieses Jahres mehr als 106 YouTube-Kanäle. Laut Angaben des Mitgründers wurden bis August 2.500 organische Videos pro Woche veröffentlicht. Damit wurden monatlich Milliarden von Aufrufen generiert. Die Inhalte wurden oft von Schauspielern vorgelesen, die repetitive Skripte nutzten. Diese Texte stammten vermutlich aus LLMs. Das sind große Sprachmodelle, die menschenähnliche Texte generieren.
Andere Modelle nutzen Farmen aus vielen Konten. So betreibt Julian Ivaldy eine Farm mit 60 TikTok-Accounts. Hier steht die Fähigkeit zur Produktion im Vordergrund. Die bestehende Reichweite des Creators ist dabei irrelevant.
Was bedeutet das für Dich?
Diese Entwicklung betrifft vor allem Shop-Betreiber und Marketing-Verantwortliche. Sie suchen oft nach authentischen Werbevideos, haben aber kein Budget für berühmte Influencer. Wer lediglich eine kleine Informationsseite ohne kommerziellen Zweck betreibt, ist von diesem Trend nicht betroffen.
Wenn Sie Ghost Creator einsetzen wollen, folgen Sie diesen Schritten:
- Erstellen Sie ein detailliertes Briefing. Definieren Sie genau, welche Botschaft im Video ankommen soll. Sie erkennen den Erfolg daran, dass der Creator keine Rückfragen zum Inhalt stellt. Der Aufwand ist mittel, da Sie Ihre Verkaufsargumente präzise formulieren müssen.
- Wählen Sie Creator nach ihrer Glaubwürdigkeit aus. Achten Sie nicht auf die Follower-Zahl, sondern auf die Wirkung der Person vor der Kamera. Das Ergebnis ist ein Video, das vertrauenswürdig wirkt, auch wenn die Person unbekannt ist. Der Aufwand ist hoch, da Sie viele Proben sichten müssen.
- Nutzen Sie bezahlte Werbung für die Verbreitung. Schalten Sie das Video als Anzeige, statt auf die organische Reichweite des Creators zu hoffen. Sie sehen die Wirkung an den Klicks und Conversions in Ihrem Shop. Der Aufwand ist gering, sofern Sie bereits Werbekonten besitzen.
Für kleine Websites
Nutzen Sie Ghost Creator sparsam für spezifische Produktvorstellungen. Achten Sie darauf, dass die Person zur Zielgruppe passt. Ein Fehler wäre es, zu viele anonyme Gesichter zu nutzen. Das wirkt schnell unnatürlich und schreckt Kunden ab.
Für Onlineshops
Bauen Sie eine eigene Pipeline für UGC-Videos auf. Lassen Sie verschiedene Personen dasselbe Produkt testen. So finden Sie heraus, welches Gesicht am besten konvertiert. Ein Risiko besteht darin, dass die Videos zu „geskriptet“ wirken. Wenn der Creator nur starr vom Blatt abliest, sinkt die Glaubwürdigkeit sofort.
Wenn Sie diesen Trend ignorieren, zahlen Sie weiterhin hohe Summen für die Reichweite von Influencern. Dabei benötigen Sie oft nur die Produktionsqualität der Person, nicht deren Follower.
Experten-Meinung
Die Branche erlebt eine Trennung von Glaubwürdigkeit und Distribution. Früher kaufte man beides in einem Paket, wenn man einen Influencer buchte. Heute ist die Glaubwürdigkeit ein eigenständiger Wert. Joseph Perello nennt dies das Ende der „Follower-Fallacy“. Das ist der Irrglaube, dass die Anzahl der Follower den Wert eines Creators bestimmt. Jeremy Carrasco ergänzt, dass Ghost Creator im Grunde austauschbare Exekutoren sind. Man kann eine Gruppe von Creatoren starten und nur die Kampagne behalten, die tatsächlich funktioniert.
Daten und Zahlen
Die Skalierbarkeit dieses Modells zeigt sich an den Zahlen von Virelox. Das Unternehmen betrieb bis April dieses Jahres über 106 YouTube-Accounts. Bis August wurden wöchentlich 2.500 organische Videos veröffentlicht. Diese Strategie führte laut Angaben zu Milliarden von Aufrufen pro Monat. Ein weiterer Akteur, Julian Ivaldy, nutzt eine Farm von 60 TikTok-Accounts. Diese Zahlen belegen, dass die Masse an Inhalten wichtiger ist als die einzelne, große Persönlichkeit.
Anzahl der genutzten Kanäle/Accounts bei verschiedenen Beispielen
Ausblick
Die Grenze zwischen menschlichen Ghost Creatoren und KI-Avataren wird verschwimmen. Marken werden verstärkt auf hybride Modelle setzen. Dabei schreiben LLMs die Skripte und echte Menschen sprechen sie ein. Das verhindert, dass Nutzer die Inhalte sofort als rein künstlich erkennen. Die gezielte Verteilung über Paid Media wird den organischen Wachstumsweg ersetzen. Die Effizienz der Content-Produktion wird somit zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil im E-Commerce.