Media Briefing: Publisher bauen Newsrooms für die Post-Google-Ära um

Veröffentlicht: 2026-09-13
Autor: Marcel Christen | Seoholics
Lesezeit: 4 min

Was ist passiert?

Große Medienhäuser bereiten sich auf ein Szenario vor, das als „Google Zero“ bezeichnet wird. Dabei geht es um eine Zukunft mit massiv sinkenden Klicks aus der Google-Suche. Verlage ändern deshalb ihre gesamten Organisationsstrukturen. Sie setzen weniger auf klassische Suchmaschinenoptimierung und mehr auf eine direkte Bindung ihrer Leser.

−9,2 Prozent

digitale Werbeeinnahmen von USA Today Co.

Dies bezieht sich auf den Rückgang im zweiten Quartal im Vorjahresvergleich.

Die Fakten

  • Struktureller Umbau: Verlage wie USA Today Co. gründen neue Teams für digitale Produktion und Reichweitenwachstum, da mehr Content allein nicht mehr für mehr Nutzer sorgt.
  • Neue Rollenprofile: Die New York Times und The Washington Post schaffen Positionen für „AI Discovery“. Diese Experten sollen sicherstellen, dass Inhalte von KI-Bots und KI-gesteuerten Pfaden gefunden werden.
  • Fokusverschiebung: Die Strategie wandelt sich von der Jagd nach Klicks hin zur Nutzerloyalität. Dies geschieht über Kanäle, die ohne Zwischenschalter wie Google oder Meta funktionieren.
  • Wirtschaftlicher Druck: USA Today Co. verzeichnete im zweiten Quartal einen Rückgang der Gesamteinnahmen um 8,3 Prozent im Vorjahresvergleich. Die digitalen Werbeeinnahmen sanken im gleichen Zeitraum um 9,2 Prozent.
  • Rechtliche Auseinandersetzungen: Verlage wie Newsday und The Seattle Times klagen gegen OpenAI und Microsoft wegen Urheberrechtsverletzungen durch das Auslesen von Inhalten.

Was bedeutet das für Dich?

Diese Entwicklung betrifft vor allem Publisher und Betreiber von inhaltsgetriebenen Websites, die stark von organischem Suchtraffic abhängen. Wer seine gesamte Reichweite auf Google aufbaut, ist derzeit einem hohen Risiko ausgesetzt. Weniger betroffen sind Marken mit einer bereits sehr starken, eigenständigen Community.

Für kleine Websites

  1. Aufbau eines eigenen Newsletters: Erfassen Sie die E-Mail-Adressen Ihrer Besucher über ein Anmeldeformular. Sie erkennen den Erfolg an einer steigenden Anzahl an direkten Zugriffen auf Ihre Seite, die nicht über eine Suche kommen. Der Aufwand ist gering, da einfache Tools zur Newsletter-Verwaltung existieren.
  2. Fokus auf Nischen-Expertise: Schreiben Sie Inhalte, die eine so hohe Qualität haben, dass Nutzer Ihre Seite gezielt über die Adresszeile aufrufen. Man erkennt dies an einem Anstieg der „Direct Traffic“-Zahlen in den Analyse-Tools. Der Aufwand ist hoch, da dies eine tiefere redaktionelle Arbeit erfordert.
  3. Präsenz auf Plattformen mit hoher Nutzerbindung: Platzieren Sie Ihre Inhalte in Foren oder Community-Gruppen, in denen Ihre Zielgruppe bereits aktiv ist. Die Wirkung zeigt sich durch hochwertige Verlinkungen und gezielte Empfehlungen innerhalb dieser Gruppen. Der Aufwand ist moderat und erfordert Zeit für die Community-Pflege.

Für Onlineshops

  1. Optimierung der App-Strategie: Fördern Sie die Installation einer eigenen App, um den Nutzer direkt an Ihre Marke zu binden. Der Erfolg ist an der Anzahl der App-Installationen und der Wiederkaufsrate der App-Nutzer messbar. Der Aufwand ist hoch, da die Entwicklung und Pflege einer App technisch komplex ist.
  2. Einführung von Kundenbindungsprogrammen: Implementieren Sie Belohnungssysteme für treue Kunden, die unabhängig von Suchmaschinen funktionieren. Sie merken es an einer höheren Kundenlebenszeit, also der Dauer, in der ein Kunde bei Ihnen einkauft. Der Aufwand ist moderat und erfolgt meist über Shop-Plugins.
  3. Nutzung von Multimedia-Kanälen: Erstellen Sie Podcasts oder Videos, die Ihre Produkte erklären und eine emotionale Bindung schaffen. Die Wirkung sehen Sie an der Steigerung der Markenbekanntheit und den Zugriffen über soziale Medien. Der Aufwand ist hoch, da die Produktion von Video- und Audioinhalten zeitintensiv ist.

Wenn Sie nichts unternehmen, riskieren Sie eine Abhängigkeit von Algorithmen, die Sie nicht kontrollieren können. Ein plötzlicher Wegfall der Suchanfragen kann dann zu einem massiven Umsatzverlust führen.

Experten-Meinung

Die Branche erlebt gerade eine fundamentale Verschiebung der Machtverhältnisse. Bisher waren Suchmaschinen die Gatekeeper, also die Torwächter zwischen Inhalt und Nutzer. Jetzt übernehmen KI-Systeme diese Rolle, halten die Nutzer aber oft auf ihrer eigenen Plattform. Barry Adams vom Unternehmen Polemic Digital betont, dass der Verlust an Google-Traffic die Verlage dazu zwingt, ihre Zielgruppen endlich ernst zu nehmen. Es geht nicht mehr um die Optimierung für einen Algorithmus. Es geht um die Schaffung einer echten Beziehung zum Leser. Wer nur auf Klicks optimiert, verliert in einer Welt von KI-Antworten seine Existenzgrundlage.

Daten und Zahlen

Die finanziellen Auswirkungen der sinkenden Reichweite sind bei großen Playern bereits sichtbar. Bei USA Today Co. sanken die Gesamteinnahmen im zweiten Quartal um 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders kritisch sind die digitalen Werbeeinnahmen, die um 9,2 Prozent zurückgingen. Dies liegt direkt an den sinkenden Seitenaufrufen. Um gegenzusteuern, plant das Unternehmen ein neues Team für digitale Produktion. Dieses Team soll laut internen Memos eine Größe von 23 bis 30 Personen haben. Die Umsetzung dieses neuen Strukturplans ist innerhalb von sechs bis acht Wochen geplant.

Ausblick

In den kommenden Monaten wird es zu weiteren Umstrukturierungen in Redaktionen kommen. Neue Jobtitel im Bereich KI-Discovery werden Standard werden. Parallel dazu werden Gerichtsurteile über das Urheberrecht entscheiden. Besonders der Prozess der New York Times gegen OpenAI und Microsoft wird richtungsweisend sein. Er bestimmt, ob Verlage Geld für das Training von KI-Modellen erhalten. Die Strategie wird sich weiterhin weg von der Suchmaschine und hin zu geschlossenen Ökosystemen wie Apps und Newslettern bewegen.

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