Veröffentlicht: 2026-09-08
Autor: Jule | Seoholics
Lesezeit: 4 min
Was ist passiert?
Werbetreibende haben ihre Ausgaben auf TikTok während der „Back-to-School“-Phase massiv gesteigert, um die Kaufbereitschaft von Studenten und Familien zu nutzen. Der Trend zeigt eine Verschiebung der Budgets weg von gesättigten Kanälen wie Amazon hin zu TikTok Shop und spezifischen Consideration-Formaten. Gleichzeitig verlängert sich der Zeitraum dieser saisonalen Kampagnen kontinuierlich.
Anzahl der Werbetreibenden während der Back-to-School-Periode
Dies zeigt die massive Zunahme der Marktdurchdringung auf TikTok im Vergleich zum Vorzeitraum.
Die Fakten
- Ausgabenwachstum: Die TikTok-Werbeausgaben stiegen über die Sommermonate um 20 bis 40 Prozent, wobei einige Brand-Kunden ein Plus von 41 Prozent im Vorjahresvergleich verzeichneten.
- Marktdurchdringung: Die Anzahl der Werbetreibenden, die den Kanal während der Back-to-School-Periode nutzen, stieg um 160 Prozent.
- TikTok Shop Erfolg: Die Verkäufe über TikTok Shop wuchsen zwischen März 2025 und Februar dieses Jahres um 84 Prozent und positionieren die Plattform als viertgrößten Händler für Gesundheits- und Beautyprodukte in den USA.
- Budget-Verschiebung: Kunden nutzen TikTok verstärkt als „White Space“, nachdem Budgets bei Google und Amazon ihr Maximum erreicht hatten.
- Kostensteigerung bei Search: Die Kosten für Google-Suchanzeigen stiegen schätzungsweise um 20 Prozent, was unter anderem auf den durch AI Overviews reduzierten Platz für Anzeigen zurückgeführt wird.
Was bedeutet das für Dich?
Diese Entwicklung betrifft primär Entscheider im E-Commerce und Marketingleiter von Consumer-Brands, die stark von saisonalen Peaks abhängen. Wer rein auf klassische Search- und Marketplace-Kanäle setzt, wird mit steigenden Kosten und sinkender Sichtbarkeit konfrontiert.
Diese Strategie gilt ausdrücklich nicht für B2B-Unternehmen ohne saisonalen Bezug oder Nischenanbieter, deren Zielgruppe keine Schnittmenge mit der Gen-Z oder jungen Familien hat.
- Diversifizierung der Kanalstrategie einleiten. Prüfen Sie, ob Ihre Budgets bei Amazon und Google bereits gesättigt sind und schieben Sie Budget in Social-Commerce-Umgebungen wie TikTok Shop. Ein Erfolg zeigt sich hier an einem sinkenden Customer Acquisition Cost (CAC) im Vergleich zu den gesättigten Kanälen. Der Aufwand ist mittel, da eine technische Anbindung des Shops nötig ist.
- Kampagnen-Zeitpläne nach vorne verschieben. Starten Sie saisonale Aktivitäten bereits ab der zweiten Juliwoche statt Ende Juli. Wir erkennen den Erfolg an einer höheren Conversion-Rate in den frühen Phasen des Sales-Zyklus. Der Aufwand ist gering, da es primär eine zeitliche Planungssache ist.
- Einsatz von Mid-Funnel-Formaten priorisieren. Implementieren Sie gezielt Consideration Ads, um Nutzer nicht nur kurz zu triggern, sondern aktiv in den Entscheidungsprozess zu führen. Wir messen die Wirkung an einer steigenden Klickrate und längeren Verweildauer auf den Produktseiten. Der Aufwand ist gering bis mittel, da neue Creatives erstellt werden müssen.
- Anpassung der Search-Budget-Effizienz. Analysieren Sie die Auswirkungen von AI Overviews auf Ihre Sichtbarkeit und erhöhen Sie die Gebote für die verbleibenden Werbeflächen, um Präsenz zu halten. Ein Erfolg ist die Stabilisierung der Impressions trotz geringerer Anzeigenfläche. Der Aufwand ist gering, erfordert aber wöchentliches Monitoring.
Für Onlineshops
Fokus auf die Integration von TikTok Shop, um den direkten Kaufweg zu verkürzen und die Abhängigkeit von externen Marktplätzen zu reduzieren.
Für Marken ohne eigenen Shop
Fokus auf Mid-Funnel-Kampagnen und Consideration Ads, um den Traffic gezielt auf Partnerseiten oder Landingpages zu lenken.
Wer diese Verschiebung ignoriert, riskiert, in einem hochkompetitiven Umfeld bei steigenden Klickpreisen an Sichtbarkeit zu verlieren, während die Konkurrenz neue, günstigere Wachstumskanäle besetzt.
Experten-Meinung
Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass TikTok nicht mehr nur ein Kanal für Markenbekanntheit ist, sondern eine ernsthafte E-Commerce-Alternative zu Amazon wird. Besonders kritisch ist die Einordnung zur Suchwerbung: Dass AI Overviews die verfügbare Werbefläche reduzieren, führt zu einer strukturellen Verteuerung von Search.
„Once they max spend on Amazon and Google, they want to start going into TikTok Shop“
verdeutlicht, dass die Suche nach dem „White Space“ nun in die generative und soziale Suche führt. Marketer müssen den Fokus von reinem Keyword-Targeting hin zu plattformspezifischen Shopping-Erlebnissen verschieben.
Daten und Zahlen
Die Zahlen belegen eine massive Verlagerung der Budgetprioritäten. Während YouTube-Ausgaben im Sommer um 6 Prozent stiegen, wuchsen die Search-Ausgaben im August im Schnitt um 16 Prozent. Besonders deutlich ist die Dynamik bei TikTok: Ein Anstieg der Nutzerzahl der Werbetreibenden um 160 Prozent zeigt die Flucht aus gesättigten Märkten. Die Kaufkraft ist hoch, da Familien typischerweise 922 Dollar für Schulbedarf ausgeben und 47 Prozent der Haushalte planen, diese Ausgaben sogar noch zu steigern.
Steigerungen in verschiedenen Bereichen während der Analyseperiode
Ausblick
Die „Back-to-School“-Phase entwickelt sich von einem kurzen Event zu einem breit gefächerten Quartalsereignis. Wir erwarten für 2026 eine weitere Steigerung der TikTok-Shop-Umsätze um 48 Prozent. Die Herausforderung für Entscheider wird sein, die Balance zwischen teurernder Search-Werbung und dem volatilen, aber wachsenden Social Commerce zu finden. Die Integration von KI-gesteuerten Formaten wie GMV Max wird zum Standard für die Effizienzsteigerung werden.