Media Buying Briefing: Wahnsinnige Ausgaben für die US-Zwischenwahlen

Veröffentlicht: 2026-10-06
Autor: Thomas Hintz | Seoholics
Lesezeit: 4 min

Rekordausgaben bei US-Zwischenwahlen

Der Markt für politische Werbung in den USA steuert auf ein Rekordvolumen von fast 12 Milliarden Dollar zu. Insbesondere der Shift von linearem Fernsehen hin zu Connected TV (CTV) und digitalen Kanälen prägt die aktuelle Budgetverteilung. Die Ausgaben übersteigen damit die Werte der Zwischenwahlen von 2022.

Die Fakten

  • Die prognostizierten Gesamtausgaben belaufen sich laut AdImpact auf 11,6 Milliarden Dollar, was die 8,9 Milliarden Dollar der Zwischenwahlen von 2022 übersteigt.
  • Die Budgetverteilung nach Kanälen sieht 5,6 Milliarden Dollar für Broadcast, 2,6 Milliarden Dollar für CTV, 1,6 Milliarden Dollar für Digital, 1,4 Milliarden Dollar für Kabel, 273 Millionen Dollar für Radio und 88 Millionen Dollar für Satellit vor.
  • Nach Rennen verteilt entfallen 3,4 Milliarden Dollar auf den Senat, 2 Milliarden Dollar auf das Repräsentantenhaus, 2,4 Milliarden Dollar auf Gouverneursrennen und 698 Millionen Dollar auf staatliche Legislativrennen.
  • Ein Betrag von 3 Milliarden Dollar wird für Themen und Rennen im unteren Teil des Stimmzettels (down ballot) aufgewendet.
  • Im Bereich CTV entfallen 46% der gesamten politischen Ausgaben auf den Monat Oktober, wobei die Hälfte davon über AVOD-Dienste läuft.

Was bedeutet das für Dich?

Diese Entwicklung betrifft primär SEO-Agenturen und Marketer, die in wettbewerbsintensiven Märkten agieren, in denen politische Budgets die Ad-Preise (CPMs) in die Höhe treiben. Wer keine politischen Kampagnen betreut, ist dennoch betroffen, da die Verdrängung von regulärem Inventar und steigende Preise in digitalen Kanälen die Akquisitionskosten erhöhen.

  1. Anpassung der Budget-KPIs für Oktober: Prüfen Sie Ihre Conversion-Kosten in CTV- und Digital-Kanälen spezifisch für den Monat Oktober. Ein Anstieg der Kosten pro Akquisition zeigt die Verdrängung durch politische Budgets an. Der Aufwand ist gering, da es sich um eine reine Datenanalyse handelt.
  2. Diversifikation der Reichweitenkanäle: Verlagern Sie Budgets temporär in Kanäle, die weniger von politischen Spitzen betroffen sind, wie beispielsweise spezifische Audio- oder Podcast-Formate. Die Wirkung misst man an einer Stabilisierung der CPMs bei gleichbleibender Reichweite. Der Aufwand ist mittel, da neue Kampagnen-Setups erforderlich sind.
  3. Fokus auf GEO und Search-Sichtbarkeit: Optimieren Sie die Präsenz in LLMs und Suchmaschinen, um die durch teure Ads verloren gegangene Sichtbarkeit durch organische Autorität auszugleichen. Erfolg wird hier über die Platzierung in KI-generierten Antworten gemessen. Der Aufwand ist hoch, da dies eine langfristige Strategie erfordert.

Für Agenturen mit lokalen Kunden

Nutzen Sie die granulare Aussteuerung über Postleitzahlen statt allgemeiner Third-Party-Targeting-Ansätze. Die Effizienz lässt sich an einer höheren Klickrate (CTR) bei geringeren Streuverlusten messen. Der Aufwand ist mittel, erfordert aber eine detaillierte Segmentierung der Zielgruppen.

Für E-Commerce-Unternehmen

Beobachten Sie die Beeinflussung von Kaufentscheidungen durch LLMs, ähnlich wie es Criteo bei CPG-Produkten beobachtet hat. Die Messung erfolgt über Brand-Search-Volumina nach gezielten Optimierungen für KI-Antworten. Der Aufwand ist aktuell noch im Teststadium.

Wer diese Marktschwankungen ignoriert, riskiert eine ineffiziente Budgetverbrennung in den Spitzenmonaten durch künstlich aufgeblähte Werbepreise.

Experten-Meinung

Die Verschiebung weg vom linearen Fernsehen ist ein strukturelles Muster. Todd Novick von AI Digital nennt hierfür steigende Raten und mangelndes Inventar als Gründe. Besonders relevant ist die Beobachtung von Jonathan Frohlinger, dass Third-Party-Targeting nicht mehr ausreicht. Er sieht den Hebel in der Kombination aus Kreativität und exakten Standorten. Ein neues Element ist die „GEO-Strategie“, die Frohlinger mit der Social-Media-Nutzung von Obama 2008 vergleicht. Hier geht es darum, die Suchmacht und KI-gestützte Sichtbarkeit strategisch zu nutzen, um Botschaften ohne die Abhängigkeit von klassischen Ad-Budgets zu platzieren.

Daten und Zahlen

Die aktuelle Spend-Prognose von 11,6 Milliarden Dollar liegt über dem Wert der Präsidentschaftswahl 2024, die laut AdImpact 11,2 Milliarden Dollar erreichte. Dies wäre das erste Mal, dass eine Zwischenwahl die Ausgaben einer Präsidentschaftswahl übertrifft. Im Audio-Bereich ist das Interesse an politischen Podcasts bereits um 42% im Jahresvergleich gestiegen, während Audio insgesamt 81% der wahlberechtigten Amerikaner täglich erreicht. Die Konzentration der CTV-Ausgaben im Oktober auf 46% verdeutlicht die extreme zeitliche Verdichtung der Budgetausgaben kurz vor dem Wahltag.

Budgetverteilung nach Kanälen

Prognostizierte Ausgaben für politische Werbung

Broadcast
5,6 Milliarden Dollar
CTV
2,6 Milliarden Dollar
Digital
1,6 Milliarden Dollar
Kabel
1,4 Milliarden Dollar

Ausblick

In den kommenden vier bis fünf Wochen ist mit einem Anstieg der Ausgaben für digitales Audio und Podcasts zu rechnen, sobald die Kapazitäten in TV und CTV erschöpft sind. Parallel dazu wird die Rolle von KI-generierten Inhalten und GEO-Optimierungen zunehmen. Es bleibt abzuwarten, ob die Manipulation durch KI-gestützte „Attack Ads“ erst nach den Wahlen vollumfänglich quantifizierbar wird.

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