Veröffentlicht: 2026-09-23
Autor: Thomas Hintz | Seoholics
Lesezeit: 4 min
Was ist passiert?
Die Nutzung von KI-Chatbots fragmentiert sich. Laut einem Bericht von Comscore sinkt der Marktanteil von ChatGPT beim Prompt-Volumen, während Alternativen wie Gemini und Claude zulegen. Gleichzeitig steigt die Gesamtnutzung von KI-Assistenten, was eine Verlagerung von einer Single-Plattform-Optimierung hin zu einer Multi-Plattform-Strategie für Publisher und Marketer erfordert.
- Multi-Plattform-Monitoring aufsetzen
- Strukturierung für Retrieval optimieren
- Analyse des Sourcing-Funnels
- Plattformspezifische Zielgruppenanalyse
- Fokus auf Einfluss statt Klicks
Die Fakten
- Der Anteil von ChatGPT am Prompt-Volumen sank zwischen Januar und Juni 2026 von 70% auf 50%.
- Gemini steigerte seinen Anteil im selben Zeitraum von 17% auf 30%, während Claude von 2% auf 11% kletterte.
- Die Desktop-Suchen bei Google, die ein AI Overview auslösten, stiegen von 25,8% im Juli 2025 auf 39,4% im Juni 2026.
- Die Gesamtnutzung von KI-Assistenten stieg bei Desktop-Nutzern von 25% im Januar 2025 auf 35% im Juni 2026.
- Es besteht eine Diskrepanz zwischen Sourcing und Zitation; Tripadvisor ist beispielsweise in 61% der Reise-Quellen enthalten, wird aber nur in 21% der Fälle zitiert.
Was bedeutet das für Dich?
Diese Entwicklung betrifft alle Publisher und Marken, die auf organischen Traffic angewiesen sind oder ihre Sichtbarkeit in KI-Antworten (Generative Engine Optimization) messen wollen. Wer glaubt, dass die Optimierung für einen einzigen Bot ausreicht, ignoriert die unterschiedlichen Nutzergruppen von Gemini und Claude. Wer keine Inhalte bereitstellt, die als Primärquelle dienen, ist nicht betroffen, da die strategische Ausrichtung hier eine andere ist.
Für Publisher und Content-Strategen
- Multi-Plattform-Monitoring aufsetzen: Messen Sie die Sichtbarkeit Ihrer Marke separat für ChatGPT, Gemini und Claude. Ein Erfolg zeigt sich, wenn die Zitationsrate über mindestens zwei Plattformen hinweg stabil bleibt oder steigt. Der Aufwand ist hoch, da derzeit keine einheitlichen Tools existieren.
- Strukturierung für Retrieval optimieren: Implementieren Sie klare, in sich geschlossene Textpassagen mit exakten Zahlen und starken Entity-Signalen zur Autoren-Kredibilität. Die Wirkung ist messbar, wenn die Differenz zwischen Sourcing (Nutzung als Quelle) und tatsächlicher Zitation sinkt. Der Aufwand ist moderat und betrifft die redaktionelle Ebene.
- Analyse des Sourcing-Funnels: Unterscheiden Sie in Ihren Reports zwischen dem Abruf der Seite durch die KI und der finalen Verlinkung in der Antwort. Sie erkennen den Erfolg daran, dass Sie Daten für Lizenzgespräche vorlegen können, auch wenn die Klicks ausbleiben. Der Aufwand ist hoch, da es eine detaillierte Analyse der KI-Antworten erfordert.
Für Marken und E-Commerce
- Plattformspezifische Zielgruppenanalyse: Prüfen Sie, ob Ihre Zielgruppe eher technische Nutzer (Claude) oder Mainstream-Nutzer (Gemini) sind und passen Sie die Tonalität an. Die Wirkung zeigt sich in einer höheren Empfehlungsrate innerhalb der jeweiligen Nutzergruppe. Der Aufwand ist moderat.
- Fokus auf Einfluss statt Klicks: Bewerten Sie die Nennung Ihrer Marke in der KI-Antwort als primäre Metrik, unabhängig vom Referral-Traffic. Der Erfolg ist sichtbar, wenn die Marke als Standardantwort für spezifische Problemstellungen etabliert ist. Der Aufwand ist gering, erfordert aber eine Umstellung des Reportings.
Wenn Sie keine Maßnahmen ergreifen, riskieren Sie, in der zunehmenden Fragmentierung unsichtbar zu werden, da die KI-Modelle unterschiedliche Quellen für unterschiedliche Nutzerprofile priorisieren.
Experten-Meinung
Die aktuelle Situation ähnelt der frühen Phase der sozialen Medien, in der sich Nutzer auf verschiedene Plattformen mit jeweils eigenem Verhalten verteilten. Michael King betont, dass die Grundlagen für Zitate über alle Modelle hinweg weitgehend identisch bleiben. Eine nachhaltige Strategie basiert daher auf diesen Fundamenten statt auf dem kurzfristigen Trend eines einzelnen Bots. Besonders kritisch ist die Unterscheidung zwischen Sourcing und Sichtbarkeit:
„Just because you are being used as an answer in AI doesn’t mean that you’re visible“
, stellt Smriti Sharma fest. Die bloße Nutzung als Datenquelle ohne Zitat generiert keinen Markenwert.
Daten und Zahlen
Die Verschiebung der Marktanteile ist präzise: ChatGPT verliert 20 Prozentpunkte beim Prompt-Volumen, während Gemini 13 Prozentpunkte gewinnt. Das Wachstum von Claude ist volatil; die Desktop-Konversationen stiegen von 1,1 Millionen im Oktober 2025 auf fast 40 Millionen im April 2026, bevor sie im Juni 2026 auf 22,3 Millionen sanken. Dennoch bleibt dieser Wert etwa 20 Mal höher als im Oktober 2025. Google AI Overviews weisen mit einem Anstieg auf 39,4% ein Wachstum auf, das den direkten Traffic von Publishern beeinflusst.
Entwicklung von Januar bis Juni 2026
Ausblick
Die KI-Assistenten etablieren sich als dauerhafte Verhaltensschicht zwischen Nutzer und Information. Es ist zu erwarten, dass die Differenzierung zwischen den Bots zunimmt, wobei Gemini durch die Integration in Android und Workspace weiter an Reichweite gewinnt. Für SEOs wird die Messung der „Influence“ wichtiger als die reine Klickrate, da die Entscheidungsprozesse der Nutzer zunehmend innerhalb der Chat-Interfaces abgeschlossen werden, bevor ein Klick auf eine Website erfolgt.