Veröffentlicht: 2026-10-07
Autor: Marcel Christen | Seoholics
Lesezeit: 4 min
Was ist passiert?
Die Messung von Erfolg in der KI-Suche wird schwieriger. Herkömmliche Analyse-Tools erkennen viele Besuche von KI-Plattformen nicht korrekt. Das liegt daran, dass Nutzer oft erst in einer KI lesen und dann die Marke manuell suchen. Ahrefs zeigt nun Wege auf, wie man diese versteckten Signale dennoch sichtbar macht.
Conversion-Rate von KI-Nutzer bei Ahrefs
Dieser Wert ist 4-mal höher als die Quote aus der organischen Suche.
Die Fakten
- Über 20 Prozent der Ahrefs-Neuanmeldungen geben ChatGPT oder Claude als Quelle an. Damit liegen KI-Tools vor YouTube und nur hinter Google als wichtigste Quelle.
- Die messbaren Klicks sind nur ein kleiner Teil. Viele Nutzer landen als direkter Traffic auf der Seite, da KI-Plattformen oft die Referrer-Daten, also die Herkunftsinformationen, entfernen.
- Auf der Seite wordcount.com macht ChatGPT 92,4 Prozent der KI-Besucher aus. Perplexity steuert 4,6 Prozent bei, Gemini 2,7 Prozent und Copilot 0,2 Prozent.
- Die Conversion-Rate, also die Quote der Besucher, die eine gewünschte Aktion ausführen, ist bei KI-Besuchern oft höher. Bei Ahrefs melden sich 6 Prozent der KI-Nutzer für ein kostenloses Konto an.
- Dieser Wert ist 4-mal höher als die Conversion-Rate aus der organischen Suche. Die organische Suche bezeichnet die natürlichen Suchergebnisse in Google ohne Bezahlung.
Was bedeutet das für Dich?
Diese Entwicklung betrifft alle Betreiber von Onlineshops und Informationsseiten, die sichtbar in KI-Antworten auftauchen wollen. Wer nur auf klassische Klickzahlen schaut, unterschätzt den Wert von KI-Sichtbarkeit massiv. Wer keine Produkte verkauft oder keine Leads generiert, kann diese Strategien ignorieren.
Für kleine Websites
- Nutzer direkt befragen: Fügen Sie in Ihrem Kontaktformular oder bei der Anmeldung ein Feld „Wie haben Sie uns gefunden?“ hinzu. Nehmen Sie KI-Tools wie ChatGPT oder Claude explizit in die Auswahloptionen auf. Es wirkt, wenn die Anzahl der Nennungen von KI-Tools steigt. Der Aufwand ist sehr gering, da nur ein Formularfeld ergänzt wird.
- Direktzugriffe beobachten: Vergleichen Sie die Zunahme von Direct Traffic, also Besuchen ohne erkennbare Quelle, mit Ihren KI-Optimierungsmaßnahmen. Ein Anstieg bei gleichzeitig gleichbleibenden anderen Quellen deutet auf KI-Effekte hin. Der Aufwand ist gering, da nur bestehende Analyse-Daten geprüft werden.
Für Onlineshops
- Referral-Traffic filtern: Nutzen Sie Ihre Analyse-Software, um gezielt nach Verweisen von KI-Plattformen zu suchen. Prüfen Sie, welche Produktseiten besonders oft über KI-Links aufgerufen werden. Man erkennt den Erfolg an einer Liste der top-performenden Seiten für KI-Referrals. Der Aufwand ist mittel, da Filter in den Tools konfiguriert werden müssen.
- Conversion-Wert berechnen: Ermitteln Sie die Conversion-Rate für KI-Besucher separat von der organischen Suche. Multiplizieren Sie diese Quote mit dem durchschnittlichen Kundenwert. Die Wirkung zeigt sich in einer konkreten Geldsumme für den Return on Investment. Der Aufwand ist hoch, da Daten aus verschiedenen Berichten zusammengeführt werden müssen.
- Prompts analysieren: Fragen Sie Kunden in Umfragen nach den genauen Befehlen, also den Prompts, die sie in die KI eingegeben haben. Analysieren Sie diese Texte mit einer KI, um Muster zu finden. Es wirkt, wenn Sie wissen, welche Begriffe die KI mit Ihrer Marke verknüpft. Der Aufwand ist mittel, da eine systematische Datenerhebung nötig ist.
Wenn Sie nichts unternehmen, riskieren Sie Fehlentscheidungen im Marketing. Sie könnten Kanäle kündigen, die indirekt wertvolle Kunden über KI-Suchen zu Ihnen führen.
Experten-Meinung
Die traditionelle Attributionsmodellierung, also die Zuweisung eines Kaufs zu einer bestimmten Quelle, versagt bei der KI-Suche. Ein Nutzer liest am Montag eine Empfehlung in Gemini und sucht am nächsten Dienstag per Google nach der Marke. In den Daten erscheint dies als organische Suche.
„Die meisten KI-Einflüsse passieren außerhalb der Sichtbarkeit“
, so die Analyse von Ahrefs. Experten müssen daher von einer rein klickbasierten Sichtweise zu einer signalbasierten Sichtweise wechseln. Man sucht nicht mehr nach dem einen Klick, sondern nach einer Summe aus verschiedenen Indizien im gesamten Nutzerverlauf.
Daten und Zahlen
Die Daten zeigen eine starke Dominanz einzelner Plattformen. Auf wordcount.com dominiert ChatGPT mit 92,4 Prozent den KI-Traffic. Im Vergleich dazu sind Perplexity mit 4,6 Prozent und Gemini mit 2,7 Prozent fast vernachlässigbar. Die Qualität des Traffics ist jedoch überproportional hoch. Eine Conversion-Rate von 6 Prozent bei KI-Besuchern beweist die hohe Kaufabsicht. Dieser Wert übertrifft die organische Suche um das 4-fache. Insgesamt führen Claude und ChatGPT für 21,7 Prozent der Anmeldungen bei Ahrefs zu einem Ergebnis.
Verteilung der Besucher nach KI-Plattform
Ausblick
Die Messung von KI-Sichtbarkeit wird komplexer werden. Wir bewegen uns weg von einfachen Klickpfaden hin zum „Dark Funnel“. Das ist der Bereich der Customer Journey, den Tools nicht tracken können. Zukünftig werden qualitative Daten aus Kundenumfragen wichtiger als reine Dashboard-Zahlen. Wer seine Marke jetzt in KI-Antworten etabliert, sichert sich einen Vorsprung, auch wenn dieser in den aktuellen Google Analytics Berichten noch nicht voll sichtbar ist.