Veröffentlicht: 2026-10-13
Autor: Marcel Christen | Seoholics
Lesezeit: 3 min
Was ist passiert?
Google passt die Durchsetzung der Site Reputation Policy an. Diese Richtlinie verhindert, dass fremde Inhalte auf vertrauenswürdigen Seiten veröffentlicht werden, um deren Ruf für bessere Rankings zu nutzen. Die Änderungen betreffen primär den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und resultieren aus Gesprächen mit der Europäischen Kommission.
Die Fakten
- Die Site Reputation Policy bekämpft die Praxis, Drittanbieter-Inhalte auf bekannten Seiten zu platzieren, um die Suchqualität zu manipulieren.
- Ab dem 30. August 2026 unterscheidet Google bei manuellen Maßnahmen zwischen Nutzern innerhalb und außerhalb des EWR.
- Außerhalb des EWR führen manuelle Maßnahmen zu einem direkten Ranking-Verlust für den betroffenen Teil der Website.
- Innerhalb des EWR haben diese manuellen Maßnahmen keine unmittelbare Auswirkung auf die Suchergebnisse.
- Google kann betroffene Bereiche im EWR systemseitig trennen, sodass diese Teile langfristig unabhängig vom Rest der Seite ranken.
Was bedeutet das für Dich?
Diese Nachricht betrifft Webseitenbetreiber, die Gastbeiträge zulassen oder ganze Sektionen ihrer Domain an externe Partner vermieten. Wer ausschließlich eigene Inhalte erstellt und keine fremden Inhalts-Hubs betreibt, ist von diesen Änderungen nicht betroffen.
Für kleine Websites
- Prüfen Sie Ihre Search Console auf Benachrichtigungen über manuelle Maßnahmen. Eine manuelle Maßnahme ist eine Bestrafung durch Google-Mitarbeiter, die nicht durch einen Algorithmus erfolgt. Sie erkennen den Erfolg an der Abwesenheit von Warnmeldungen in der Search Console. Der Aufwand ist sehr gering.
- Überprüfen Sie, ob fremde Autoren Inhalte auf Ihrer Seite veröffentlichen, die thematisch nicht zu Ihrem Kernbereich passen. Solche Inhalte wirken oft wie Fremdkörper und schaden der Nutzererfahrung. Der Erfolg zeigt sich durch eine konsistente Themenstruktur. Der Aufwand ist moderat.
- Löschen Sie Inhalte von Drittanbietern, die nur dazu dienen, die Autorität Ihrer Domain für externe Links zu nutzen. Dies verhindert, dass Google Ihre Seite als Plattform für Manipulationen einstuft. Die Wirkung ist eine stabilere Sichtbarkeit in globalen Suchergebnissen. Der Aufwand ist je nach Anzahl der Beiträge hoch.
Für Onlineshops
- Kontrollieren Sie Ihre Blog-Sektion auf fremdgesteuerte Inhalte oder „Paid Posts“. Diese sind oft Teil von SEO-Paketen externer Agenturen. Sie erkennen die Wirkung an einer sauberen Trennung von kommerziellen und redaktionellen Inhalten. Der Aufwand ist moderat.
- Nutzen Sie bei Fehlern die Funktion für einen Antrag auf Überprüfung. Ein Überprüfungsantrag ist ein offizieller Prozess, mit dem man Google bittet, eine Sanktion aufzuheben. Die Wirkung ist die Aufhebung der manuellen Maßnahme. Der Aufwand ist hoch, da Belege für die Korrektur geliefert werden müssen.
- Nutzen Sie im EWR gegebenenfalls das neue Mediationsverfahren bei Streitigkeiten. Die Mediation ist ein moderiertes Gespräch zur Lösung von Konflikten. Der Erfolg ist eine rechtliche oder technische Klärung der Sichtbarkeit. Der Aufwand ist sehr hoch.
Wenn Sie nichts unternehmen, riskieren Sie den Verlust Ihrer Sichtbarkeit für alle Nutzer außerhalb des EWR. Ihre Seite wird dort in den Suchergebnissen massiv abfallen.
Experten-Meinung
Die Anpassung zeigt den wachsenden Einfluss regulatorischer Vorgaben auf die Suchalgorithmen. Google muss hier einen Balanceakt vollziehen. Einerseits will Google die Integrität der Suchergebnisse schützen. Andererseits gibt es im EWR durch den Digital Markets Act (DMA) strenge Regeln zur Diskriminierung. Der DMA ist ein EU-Gesetz zur Regulierung großer Tech-Plattformen. Durch die Trennung der Behandlung im EWR schafft Google eine rechtliche Sicherheitszone. Die technische Trennung von Sektions-Rankings ist ein starkes Signal. Google will vermeiden, dass eine „Parasiten-Seite“ das gesamte Vertrauen einer starken Domain mitnutzt.
Daten und Zahlen
Die Änderungen treten zu einem konkreten Datum in Kraft. Am 30. August 2026 wird die unterschiedliche Behandlung von Nutzern im EWR und außerhalb davon aktiv. Die Richtlinie selbst wurde bereits im Jahr 2024 eingeführt. Es gibt keine spezifischen Prozentwerte zu Ranking-Verlusten. Die Auswirkung ist jedoch binär. Entweder eine manuelle Maßnahme greift direkt oder sie führt über Zeit zu einer systemseitigen Trennung der Inhalte. Die zeitliche Differenz zwischen Einführung der Policy und dieser Anpassung beträgt etwa zwei Jahre.
Ausblick
Es ist zu erwarten, dass Google die Kriterien für die Site Reputation Policy weiter präzisiert. Die Trennung von globalen und regionalen Sanktionen könnte ein Modell für weitere Richtlinien werden. Betreiber sollten verstärkt auf die Qualität ihrer Partner achten. Die reine Vermietung von Unterverzeichnissen wird technisch riskanter. Wir werden sehen, wie effektiv die neuen Mediationsverfahren im EWR tatsächlich funktionieren.