KI-Sichtbarkeit steigern: Ein praktischer Workflow von Prompts zu Prioritäten

Veröffentlicht: 2026-10-22
Autor: Marcel Christen | Seoholics
Lesezeit: 4 min

Was ist passiert?

Die Messung der Sichtbarkeit in KI-gestützten Suchsystemen funktioniert grundlegend anders als bei klassischen Suchmaschinen. Es gibt keine öffentlichen Daten zum Suchvolumen für Prompts. Ein Prompt ist die Texteingabe, mit der ein Nutzer eine KI steuert. Daher müssen Marketer neue Wege finden, um die Präsenz ihrer Marke in KI-Antworten zu analysieren.

Die Fakten

  • KI-Antworten sind individuell. Sie basieren auf den Gewohnheiten und dem bisherigen Chat-Verlauf des jeweiligen Nutzers.
  • Es existieren keine direkten Konversionsdaten für einzelne Prompts. Eine Konversion ist die gewünschte Handlung eines Nutzers, wie etwa ein Kauf.
  • Die Sichtbarkeit misst die Abdeckung. Sie gibt an, in wie vielen Antworten eine Marke überhaupt genannt wird.
  • Der durchschnittliche Rang zeigt die Position der Marke innerhalb einer Antwort. Fehlende Nennungen werden hierbei nicht mitberechnet.
  • Der Share of Voice misst die Präsenz innerhalb eines definierten Wettbewerber-Sets. Er bildet nicht den gesamten Markt ab.

Was bedeutet das für Dich?

Diese Entwicklung betrifft alle Shop-Betreiber und Redaktionen, die darauf setzen, dass KI-Systeme ihre Produkte oder Inhalte empfehlen. Sie betrifft ausdrücklich nicht diejenigen, die ausschließlich auf direkte Markennennungen über die URL setzen.

Für kleine Websites

  1. Definieren Sie Ihre idealen Kundenprofile und Prioritätsthemen. Sie müssen genau wissen, für welche spezifischen Anwendungsfälle Ihre Marke eine Lösung bietet. Sie erkennen den Erfolg daran, dass Ihre Prompts-Liste präzise auf Ihre Nische zugeschnitten ist. Der Aufwand ist gering, da dies eine rein strategische Planung ist.

  2. Prüfen Sie, ob Ihre Marke in Antworten zu kommerziellen Prompts erscheint. Ein kommerzieller Prompt ist eine Anfrage, bei der Produkte oder Dienstleistungen bewertet werden. Das Ziel ist es, in Empfehlungen aufzutauchen. Dies ist durch manuelle Tests oder Tools sichtbar. Der Aufwand ist moderat, da viele Testvarianten nötig sind.

  3. Identifizieren Sie Drittquellen, die von der KI als Zitate genutzt werden. Zitate sind die Quellen, auf die sich die KI bezieht, um Informationen zu belegen. Wenn Ihre Marke in diesen Quellen auftaucht, steigt die Chance auf eine KI-Empfehlung. Der Erfolg zeigt sich durch eine steigende Sichtbarkeit in den Antworten. Der Aufwand ist hoch, da dies aktive Öffentlichkeitsarbeit erfordert.

Für Onlineshops

  1. Erstellen Sie eine Liste mit Vergleichs-Prompts. Hierbei fragt der Nutzer die KI nach dem Vergleich der besten Produkte für einen bestimmten Zweck. Sie sehen den Erfolg, wenn Ihr Produkt in der Liste der Top-Empfehlungen erscheint. Der Aufwand ist gering, da die Liste schnell erstellt ist.

  2. Segmentieren Sie die Daten nach Suchintention. Die Suchintention beschreibt, was der Nutzer mit seiner Anfrage erreichen möchte. Unterscheiden Sie dabei zwischen informativen, kommerziellen, transaktionalen und navigationsbezogenen Anfragen. Sie erkennen die Wirkung an einer klareren Analyse, wo Lücken in der Sichtbarkeit bestehen. Der Aufwand ist moderat, da die Daten manuell zugeordnet werden müssen.

  3. Analysieren Sie die Differenzen zwischen verschiedenen KI-Modellen. Prüfen Sie beispielsweise ChatGPT, Gemini und Perplexity separat. Sie erkennen den Erfolg, wenn Sie modellspezifische Muster für Ihre Markenpräsenz finden. Der Aufwand ist moderat, da mehrere Tools parallel genutzt werden müssen.

Wenn Sie nichts unternehmen, riskieren Sie, in der neuen Ära der KI-Suche unsichtbar zu werden. Ihre Marke wird dann nicht mehr als Option vorgeschlagen, wenn Kunden nach Lösungen suchen.

Experten-Meinung

Das alte Regelwerk für SEO wurde hinfällig. Über die letzten 15 bis 20 Jahre haben Experten gelernt, auf harte Daten wie Klicks und Impressionen zu vertrauen. Bei der KI-Sichtbarkeit gibt es diese Sicherheit nicht mehr. Die Empfehlungen der KI dienen nur als Richtlinie. Es geht nicht mehr darum, saubere Berichte mit exakten Konversionsraten zu erstellen. Stattdessen müssen wir die Verbindung zwischen den Kundenfragen und den Antworten der KI verstehen. Das Ziel ist es, herauszufinden, welche Quellen die KI beeinflussen, um dort die eigene Präsenz zu stärken.

Daten und Zahlen

Ein praktisches Beispiel verdeutlicht die Bedeutung der Metriken. In einem Test mit 72 Prompts zum Thema Kopfhörer erreichte die Marke Bose in ChatGPT eine Sichtbarkeit von 61,1 %. In Perplexity lag dieser Wert mit 44,4 % deutlich niedriger. Trotz der geringeren Sichtbarkeit war der durchschnittliche Rang in Perplexity mit 1,84 etwas stärker als in ChatGPT mit 1,95. Dies zeigt, dass eine Marke seltener genannt werden kann, aber dann eine prominentere Position einnimmt. Man darf daher nie nur eine einzelne Zahl betrachten, um den Erfolg zu bewerten.

Ausblick

Die Optimierung für KI-Suche wird sich weg von technischen Tricks bewegen. Das Manipulieren von Suchergebnissen durch den Kauf von Links wird an Bedeutung verlieren. Stattdessen kehrt das klassische Markenmarketing zurück. Der Fokus wird darauf liegen, die Glaubwürdigkeit der Marke in Drittquellen zu erhöhen. Nur wer als vertrauenswürdige Quelle in den Daten der KI verankert ist, wird langfristig empfohlen werden. Die Analyse von Mustern wird wichtiger als das Verfolgen einzelner Keywords.

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