Veröffentlicht: 2026-09-17
Autor: Jule | Seoholics
Lesezeit: 4 min

Die Art und Weise, wie Nutzer Informationen suchen und Kaufentscheidungen treffen, hat sich grundlegend gewandelt. Wir bewegen uns weg von der klassischen Liste blauer Links hin zu einer Welt, in der generative KI-Tools die Forschung und den Kaufprozess steuern. Für Marketingverantwortliche bedeutet dies, dass die Sichtbarkeit in Large Language Models (LLMs) zu einem eigenständigen Kanal wird.

Was ist passiert?

KI-Marketing hat die Phase der Spekulation verlassen und ist in den Mainstream übergegangen. Generative KI verändert nicht nur die Content-Erstellung, sondern schafft völlig neue Marketingkanäle und Jobprofile. Die Nutzer journey verschiebt sich massiv in Richtung KI-gestützter Suche, was eine Neudefinition von Sichtbarkeit und Attribution erfordert.

+21 %

Interesse an KI-Videogeneratoren

Dies beschreibt den Zuwachs im Jahresvergleich.

Die Fakten

  • Neue Rollenprofile: Jobtitel wie AI Marketing Director und Head of AI Marketing sind zwischen 2025 und 2026 erstmals in den US-Suchdaten messbar geworden.
  • Content-Produktion: KI-generierte Inhalte ranken stabil in den Top 3 Positionen von Google, wobei vollständig KI-geschriebene Seiten sogar Platz 1 belegen können.
  • Nachfrage nach Tools: Die Suche nach KI-Bildgeneratoren ist mit 361.000 Suchanfragen pro Monat deutlich höher als die nach KI-Schreibtools mit 17.000 Anfragen.
  • Video-Trend: Das Interesse an KI-Videogeneratoren wächst stark und erreicht bereits 223.000 Suchanfragen pro Monat bei einem Zuwachs von 21 % im Jahresvergleich.
  • Strategischer Shift: Die Rolle des Content-Marketings wandelt sich zum Content-Engineering, wobei der Fokus vom Schreiben einzelner Texte hin zum Design von Produktionssystemen rückt.

Was bedeutet das für Dich?

Diese Entwicklung betrifft alle Entscheider, deren Geschäftsmodell auf digitaler Sichtbarkeit und Inbound-Marketing basiert. Wer primär auf physischen Point-of-Sale oder reinem Empfehlungsmarketing ohne digitale Komponente setzt, ist von diesen Trends derzeit nicht direkt betroffen.

  1. Implementierung von Content-Engineering-Prozessen. Anstatt einzelne Texte zu beauftragen, müssen Sie Systeme etablieren, die qualitativ hochwertige Inhalte automatisiert und skalierbar produzieren. Erfolg erkennen Sie daran, dass die Produktionszeit pro Asset sinkt, während die Ranking-Positionen stabil bleiben. Der Aufwand ist hoch, da bestehende Workflows komplett neu gedacht werden müssen. (Zeithorizont: dieses Quartal)
  2. Ausrichtung auf AI Visibility (GEO/AEO). Optimieren Sie Ihre Inhalte so, dass sie von LLMs als vertrauenswürdige Quellen für Antworten ausgewählt werden. Ein Erfolg zeigt sich in einer steigenden Erwähnung Ihrer Marke in KI-generierten Antworten. Der Aufwand ist moderat, erfordert aber eine Anpassung der Content-Struktur. (Zeithorizont: dieses Jahr)
  3. Integration von KI-Video- und Bildgeneration. Ersetzen Sie generische Stock-Medien durch zielgruppenspezifische KI-Visuals, um die Conversion-Rate zu steigern. Die Wirkung ist an einer höheren Interaktionsrate in sozialen Kanälen messbar. Der Aufwand ist gering, da die Tools bereits marktreif sind. (Zeithorizont: diese Woche)
  4. Anpassung der Recruiting-Strategie. Suchen Sie nicht mehr nach reinen Textern, sondern nach Marketing-Engineers, die KI-Workflows steuern können. Ein Erfolg ist die schnellere Skalierung von Kampagnen ohne proportionalen Anstieg der Personalkosten. Der Aufwand ist moderat, erfordert aber neue Anforderungsprofile. (Zeithorizont: dieses Jahr)

Für kleine Websites

Hier liegt die Priorität auf der Effizienz. Nutzen Sie KI, um Lücken in der Themenabdeckung schnell zu schließen, ohne die Qualität zu opfern, da Google schlechte Inhalte bestraft, nicht die KI an sich.

Für Enterprise-Marketing

Hier ist der Aufbau einer eigenen Infrastruktur entscheidend. Der Trend geht weg vom Kauf von Standard-Tools hin zum Bau eigener, auf firmeneigene Daten zugeschnittener KI-Lösungen.

Wer jetzt nichts unternimmt, riskiert nicht nur einen Verlust an organischem Traffic, sondern wird in der neuen Ära der KI-gesteuerten Kaufentscheidungen schlichtweg unsichtbar, da die KI-Modelle die Marke nicht als relevante Antwortquelle kennen.

Experten-Meinung

Die aktuelle Entwicklung zeigt deutlich, dass wir uns in einer Phase der Abstraktion befinden. Es geht nicht mehr darum, ein Asset zu erstellen, sondern ein System zu designen. Wie Ryan Law betont, ist die Verschiebung hin zum Content-Engineering der entscheidende Hebel. Die Beobachtung, dass Google nicht KI-Content bestraft, sondern lediglich schlechte Qualität, nimmt den Druck von der technischen Umsetzung und verschiebt den Fokus zurück auf den strategischen Mehrwert. Marketer müssen nun lernen, als Architekten ihrer eigenen Sichtbarkeit zu agieren, anstatt nur als Ausführende.

Daten und Zahlen

Die Marktdaten belegen eine massive Verschiebung der Prioritäten: Während KI-Writing mit 17.000 Suchanfragen pro Monat eine solide Basis hat, dominieren visuelle KI-Tools den Markt. KI-Bildgeneratoren (361.000/Mo) und Videogeneratoren (223.000/Mo) zeigen, dass die visuelle Kommunikation derzeit den stärksten Wachstumstrend aufweist. Auch im strategischen Bereich gibt es Zuwächse, etwa bei der KI-Content-Strategie mit einem Plus von 28 % im Jahresvergleich, was auf ein steigendes Bewusstsein für die notwendige Planung hindeutet.

Ausblick

Wir steuern auf eine Ära des agentischen Marketings zu, in der KI nicht mehr nur Inhalte erstellt, sondern aktiv Handelsentscheidungen trifft und Käufe für den Nutzer ausführt. Die Attribution wird dadurch komplexer, da die KI den Käufer beeinflusst, ohne dass ein klassischer Klickpfad sichtbar ist. Die Fähigkeit, in diesen „Blackbox“-Prozessen sichtbar zu bleiben, wird über den Markterfolg der nächsten zwei Jahre entscheiden.

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