Google bekämpft SERP-Tracking: KI-Agenten könnten es verschlimmern

Veröffentlicht: 2026-10-06
Autor: Marcel Christen | Seoholics
Lesezeit: 3 min

Was ist passiert?

Google verschärft den Kampf gegen das automatisierte Auslesen der Suchergebnisse. Diese Technik wird als SERP-Scraping bezeichnet. Google möchte verhindern, dass Bots die Suchergebnisseite (SERP) massenhaft kopieren. Der Grund liegt in der Zunahme von KI-Agenten. Diese Programme führen automatisierte Abfragen durch, die Google technisch belasten.

+1,7 %

Internetverkehr durch KI-Agenten

Dieser Anstieg erfolgte im letzten Jahr und belastet die technische Infrastruktur von Google massiv.

Die Fakten

  • Der Internetverkehr durch KI-Agenten ist im letzten Jahr um 1.700 % gestiegen.
  • Cloudflare verarbeitete Ende 2024 durchschnittlich 63 Millionen HTTP-Anfragen pro Sekunde.
  • Aktuell liegt dieser Wert bei 115 Millionen Anfragen pro Sekunde mit Spitzenwerten über 150 Millionen.
  • Mehr als die Hälfte des gesamten Internetverkehrs besteht mittlerweile nicht mehr aus menschlichen Zugriffen.
  • KI-gestützte Suchergebnisse sind in der Erstellung teurer als klassische Listen, da sie Rechenprozesse über mehrere Abfragen und Logikschritte hinweg benötigen.

Was bedeutet das für Dich?

Diese Entwicklung betrifft alle Personen, die Tools zur Keyword-Überwachung nutzen. Das sind meist Shop-Betreiber oder SEO-Agenturen. Wer seine Positionen manuell in der Suche prüft, ist von diesen Sperren aktuell nicht betroffen.

  1. Prüfen Sie die Zuverlässigkeit Ihrer Rank-Tracking-Tools. Vergleichen Sie die automatischen Daten mit manuellen Stichproben in einem privaten Browserfenster. Sie erkennen eine Fehlfunktion daran, dass das Tool stabile Positionen anzeigt, während Sie manuell auf Platz 20 statt auf Platz 1 finden. Der Aufwand hierfür ist gering und dauert etwa 30 Minuten pro Monat.

  2. Reduzieren Sie die Abfrageintervalle Ihrer Tracking-Software. Stellen Sie die Aktualisierung von täglichen auf wöchentliche Werte um. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Tool-IP-Adresse als bösartiger Bot eingestuft wird. Dies ist eine Einstellungssache in der Software und benötigt nur wenige Minuten.

  3. Diversifizieren Sie Ihre Erfolgsmessung. Setzen Sie verstärkt auf Daten aus der Google Search Console. Diese Daten kommen direkt von Google und sind nicht durch Scraping-Sperren gefährdet. Die Einrichtung ist einmalig aufwendig, aber die Daten sind absolut präzise. Der Zeitaufwand liegt bei etwa einer Stunde.

Für kleine Websites

Nutzen Sie für die Analyse weniger Keywords einfache, manuelle Prüfungen. Das schützt Sie vor falschen Daten durch fehlerhafte Tools. Achten Sie dabei auf den Inkognito-Modus, damit Ihr Suchverlauf das Ergebnis nicht verfälscht.

Für Onlineshops

Überwachen Sie primär die Conversion-Rate und die tatsächlichen Klicks in der Search Console. Verlassen Sie sich nicht auf die „Position 3“ eines Tools. Viele Tools scheitern aktuell, weil Google KI-Bots und Rank-Tracker gleichermaßen blockiert.

Wenn Sie nichts unternehmen, treffen Sie Geschäftsentscheidungen auf Basis falscher Daten. Sie optimieren eventuell Seiten, die bereits fallen, oder ignorieren Probleme bei Top-Keywords.

Experten-Meinung

Die Situation ist kritisch für die gesamte Branche. Ryan Jones, Entwickler des Dienstes SERPrecon, warnt davor, dass Rank-Tracking komplett verschwinden könnte. Er erklärt, dass Google derzeit alle KI-Tracker blockiert. Dabei werden die klassischen Rank-Tracker einfach mitgerissen. Es geht Google nicht nur um die Serverlast. Es besteht der Verdacht, dass Google die „Distillation“ verhindern will. Das ist ein Prozess, bei dem KI-Modelle durch das Auslesen von Suchergebnissen die Funktionsweise des Google-Algorithmus kopieren. Google schützt hier aktiv sein geistiges Eigentum.

Daten und Zahlen

Die Belastung der Infrastruktur ist massiv gestiegen. Der Anstieg der KI-Agenten-Anfragen um 1.700 % zeigt die Dimension des Problems. Die Steigerung der HTTP-Anfragen bei Cloudflare von 63 Millionen auf 115 Millionen pro Sekunde belegt diesen Trend. Google muss die Kosten pro Abfrage senken. Deshalb führt das Unternehmen effizientere Modelle wie Gemini 3.6 Flash und Gemini 3.5 Flash-Lite ein. Diese Modelle sollen die Rechenkosten für die teuren KI-Antworten reduzieren.

HTTP-Anfragen pro Sekunde

Durchschnittswerte bei Cloudflare

Ende 2024
63 Millionen
Aktuell
115 Millionen

Ausblick

Der Kampf zwischen Google und den Scraping-Tools wird sich verschärfen. Wir werden wahrscheinlich sehen, dass immer mehr Rank-Tracker ungenaue Daten liefern. Google wird die Erkennung von automatisierten Abfragen weiter perfektionieren. Für Webseitenbetreiber bedeutet das einen Paradigmenwechsel. Weg von der Fixierung auf die exakte Position im Index. Hin zu einer Analyse der tatsächlichen Nutzerinteraktionen und Klicks.

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