Veröffentlicht: 2026-09-07
Autor: Marcel Christen | Seoholics
Lesezeit: 3 min
Was ist passiert?
Die Creator Economy steht möglicherweise vor einer wirtschaftlichen Korrektur. Influencer und Marken kämpfen mit einer Fehlbewertung von Honoraren. Gleichzeitig wird die Vermittlung von Kooperationen zunehmend automatisiert. Dies ähnelt dem programmatischen Werbehandel, bei dem Software den Kauf von Anzeigen steuert.
Die Fakten
- Die Creator Economy wird in diesem Jahr mit einem Wert von 43,9 Milliarden Dollar beziffert.
- Eine Umfrage unter 1.000 Marketing- und Beschaffungsleitern zeigt, dass 50 % der Marketer die Honorare von Creatoren falsch bewerten.
- 40 % der befragten Marketing-Verantwortlichen haben das Gefühl, zu viel für Kooperationen bezahlt zu haben.
- Die Agentur Sway gibt an, dass Marken in 90 % der Fälle zu hohe Preise zahlen.
- Das Interactive Advertising Bureau arbeitet an Richtlinien für die Erfolgsmessung, die voraussichtlich im Oktober erscheinen.
Was bedeutet das für Dich?
Diese Entwicklung betrifft alle Content-Ersteller und Agenturen, die von Marken-Deals leben. Wer auf hohe Einzelhonorare setzt, ist gefährdet. Wer hingegen keine Markenpartnerschaften nutzt, ist von dieser Korrektur nicht betroffen.
Für Content-Ersteller
- Analysieren Sie Ihre aktuellen Preise im Vergleich zum Markt. Sie erkennen den Erfolg daran, dass Ihre Abschlussquote bei Angeboten stabil bleibt oder steigt. Der Aufwand ist gering und erfordert lediglich eine Recherche bei Branchenkollegen.
- Implementieren Sie präzise Messsysteme für Ihre Kampagnen. Der Erfolg zeigt sich, wenn Sie dem Kunden exakt belegen können, wie viel Umsatz durch Ihren Beitrag entstand. Dieser Schritt ist zeitintensiv, da technische Tracking-Tools eingerichtet werden müssen.
- Diversifizieren Sie Ihre Einnahmequellen weg von reinen Marken-Deals. Ein Erfolg liegt vor, wenn die Abhängigkeit von einzelnen Werbepartnern sinkt. Dies ist ein langfristiger Prozess mit hohem Aufwand.
Für Onlineshops und Marken
- Überprüfen Sie die Preisgestaltung Ihrer Influencer-Kampagnen. Sie merken eine Wirkung, wenn die Kosten pro Akquise sinken. Der Aufwand ist mittel, da historische Daten analysiert werden müssen.
- Nutzen Sie automatisierte Plattformen zur Suche nach kleineren Creatoren. Der Erfolg ist sichtbar, wenn Sie mehr Partner für das gleiche Budget finden. Der Aufwand ist gering, da bestehende Software-Lösungen genutzt werden.
- Warten Sie auf die neuen IAB-Richtlinien zur Messbarkeit. Der Erfolg zeigt sich in einer objektiven Vergleichbarkeit der Honorare. Dies erfordert keinen aktiven Aufwand, sondern nur die Umsetzung der neuen Standards.
Wenn Sie nichts unternehmen, riskieren Sie als Creator sinkende Honorare durch den steigenden Wettbewerb. Marken hingegen zahlen weiterhin zu hohe Preise ohne nachweisbaren Return on Investment.
Experten-Meinung
Die Automatisierung des Influencer-Marketings wirkt wie ein zweischneidiges Schwert. Einerseits finden Marken leichter zu kleineren Creatoren. Andererseits sinkt die Verhandlungsmacht des Einzelnen. Es gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Wenn das Angebot an Creatoren durch Software schneller wächst als die Nachfrage der Werber, sinken die Preise. Die aktuelle Unzufriedenheit der Marketer könnte jedoch auch an fehlenden Messsystemen liegen. Ohne klare Attribution, also der Zuordnung eines Verkaufs zu einer spezifischen Werbemaßnahme, fühlen sich Kunden schnell übervorteilt.
Daten und Zahlen
Die finanzielle Dimension der Creator Economy ist mit 43,9 Milliarden Dollar massiv. Dennoch klafft eine Lücke in der Wahrnehmung des Wertes. Während 50 % der Marketer die Preise falsch einschätzen, sehen 40 % eine Überzahlung. Besonders extrem ist die Sicht der Agentur Sway mit einer Überzahlungsquote von 90 %. Diese Zahlen belegen, dass die Branche derzeit keine einheitliche Währung für den Wert von Reichweite besitzt. Die Daten zeigen eine starke Tendenz zur Preisreduktion durch Marktbereinigung.
Einschätzungen von Marketing-Verantwortlichen
Ausblick
Im Oktober werden die Richtlinien des Interactive Advertising Bureau erwartet. Diese sollen eine objektive Grundlage für Honorare schaffen. Die Branche bewegt sich weg von Bauchgefühl-Preisen hin zu datenbasierten Modellen. Dies könnte die „Blase“, wie sie Emma Chamberlain beschreibt, kontrolliert entleeren. Die Zukunft gehört jenen, die ihren Wert technisch belegen können.