Veröffentlicht: 2026-09-09
Autor: Marcel Christen | Seoholics
Lesezeit: 4 min
Was ist passiert?
Ein britischer News-Publisher hat seine Domain von .co.uk auf .com umgestellt. Ziel war eine globale Ausrichtung und die Änderung der Klassifizierung in Werbesystemen. Die Sichtbarkeit bei trendbasierten Google-News-Abfragen brach in den zwei Wochen nach dem Umzug um 98% ein.
Sichtbarkeit bei trendbasierten Google-News-Abfragen
Der Einbruch erfolgte in den zwei Wochen nach der Umstellung der Domain von .co.uk auf .com.
Die Fakten
- Die Sichtbarkeit sank laut NewzDash von zuvor 1% bis 2% auf nur noch 0,02%.
- Der Einbruch betrifft speziell trendbasierte Abfragen in den Top Stories und organischen Ergebnissen.
- Standard-SEO-Tools schätzten den Verlust deutlich geringer ein, nämlich auf etwa 60% bis 70%.
- Der Publisher führte den kompletten Umzug über Nacht durch, statt die Seite schrittweise zu migrieren.
- Vier Monate nach dem Wechsel zeigt die neue Domain kaum Anzeichen einer Erholung bei News-Abfragen.
Was bedeutet das für Dich?
Diese Nachricht betrifft vor allem Betreiber von News-Seiten und Magazine, die stark von aktuellen Trends und Google News abhängen. Wer eine statische Seite mit zeitlosen Inhalten betreibt, ist weniger gefährdet. Dennoch ist jede Domainänderung ein hohes Risiko für das Ranking.
Wenn Sie eine Migration planen, folgen Sie diesen Schritten:
- Überwachen Sie trendbasierte Abfragen separat. Nutzen Sie nicht nur feste Keyword-Listen, sondern analysieren Sie, wie Ihre Seite bei sich schnell ändernden Themen performt. Sie erkennen den Erfolg daran, dass Sie kurzfristige Traffic-Spitzen bei aktuellen News-Events messen können. Der Aufwand ist mittel, da spezialisierte Tracking-Methoden nötig sind.
- Migrieren Sie Inhalte in kleinen Sektionen. Verschieben Sie nicht die gesamte Seite über Nacht, sondern übertragen Sie einzelne Kategorien nacheinander. Sie merken, dass es funktioniert, wenn die neue Domain in Google News für diese spezifische Sektion bereits sichtbar ist, bevor der Rest folgt. Der Aufwand ist hoch, da die technische Steuerung komplexer ist.
- Prüfen Sie die Redirect-Ketten auf Kürze. Ein 301-Redirect ist eine permanente Weiterleitung, die dem Browser und Google mitteilt, dass eine Seite endgültig umgezogen ist. Überprüfen Sie, ob Nutzer direkt vom alten zum neuen Ziel gelangen, ohne über Zwischenstopps zu laufen. Sie erkennen den Erfolg an einer Antwortzeit der Seite von unter 200 Millisekunden. Der Aufwand ist gering.
- Trennen Sie Domainwechsel von anderen Änderungen. Führen Sie keinen Relaunch des Designs oder einen Wechsel des CMS (Content Management System, also das Programm zur Inhaltsverwaltung) gleichzeitig mit dem Domainwechsel durch. Sie vermeiden so, dass Google den Grund für Ranking-Schwankungen nicht mehr zuordnen kann. Der Erfolg zeigt sich in einer stabilen Indexierung der URLs. Der Aufwand ist mittel, da es Geduld erfordert.
Für kleine Websites
Hier ist ein kompletter Umzug oft einfacher zu handhaben. Dennoch sollten Sie die Change of Address-Funktion in der Search Console nutzen. Dabei teilen Sie Google offiziell mit, dass die Domain gewechselt hat.
Für Onlineshops und große Portale
Große Strukturen riskieren bei einem „Alles-auf-einmal“-Umzug den Verlust von Vertrauenssignalen. Testen Sie den Umzug an einer weniger wichtigen Kategorie. So sehen Sie, ob Google die neuen URLs korrekt übernimmt, bevor der Hauptumsatz gefährdet wird.
Wenn Sie nichts unternehmen und blind migrieren, riskieren Sie einen massiven Sichtbarkeitsverlust. Dieser kann bei News-Seiten nahezu total sein und sich über Monate nicht erholen.
Experten-Meinung
John Shehata spricht von einem „Google Reset“. Das bedeutet, dass Google bei drastischen Änderungen die gesamte Seite neu bewertet. Er argumentiert, dass News-Rankings stark an den Hostnamen gebunden sind. Der Hostname ist der Name der Domain ohne Pfad. Ein 301-Redirect gibt zwar die Linkstärke weiter, aber möglicherweise nicht die editorische Historie und das Vertrauen. Google selbst gibt in seinen Richtlinien nicht explizit an, wie diese News-Signale übertragen werden. John Mueller von Google betont jedoch, dass ein Domainwechsel immer ein großes Risiko bleibt und das Ergebnis im Vorfeld nicht vollständig planbar ist.
Daten und Zahlen
Die Differenz in der Messung ist bemerkenswert. Während NewzDash einen Absturz der Sichtbarkeit um 98% registriert, schätzen andere Tools den Verlust auf 60% bis 70%. Dieser Unterschied von etwa 30 Punkten resultiert aus der Methodik. Standard-Tools messen „Evergreen-Keywords“, also Suchbegriffe, die das ganze Jahr über konstant gesucht werden. NewzDash hingegen trackte die Sichtbarkeit über 14 Monate vor dem Umzug und konzentrierte sich auf trendbasierte News-Abfragen. Die Sichtbarkeit sank hier von 1% bis 2% auf minimale 0,02%.
Ausblick
Es bleibt unklar, ob allein die Domainänderung oder bereits vorangegangene Core-Updates (grundlegende Algorithmus-Anpassungen von Google) die Ursache waren. Die Daten zeigen jedoch deutlich: Wer auf News-Traffic setzt, darf sich nicht auf Standard-Rankings verlassen. Zukünftige Migrationen müssen zwingend die Sichtbarkeit bei Trend-Themen einbeziehen. Nur so lässt sich erkennen, ob die neue Domain die Autorität der alten Seite tatsächlich übernommen hat oder ob Google die Seite als neuen, unbekannten Publisher einstuft.