Veröffentlicht: 2026-09-07
Autor: Jule | Seoholics
Lesezeit: 3 min

Was ist passiert?

Aktuelle Daten zeigen ein paradoxes Nutzerverhalten: Während die Reichweite von Google stabil bleibt, sinkt die Anzahl der Suchanfragen und Klicks auf externe Webseiten. Nutzer verlassen Google nicht zugunsten von KI-Plattformen wie ChatGPT, sondern nutzen beide Systeme parallel, wobei KI-Antworten zunehmend die klassischen Ergebnislisten ersetzen.

−32,8 %

Verweise auf akademische Seiten

Dies ist der stärkste Einbruch der Referrals im Vergleich zu News- oder Referenzseiten.

Die Fakten

  • Hohe Nutzer-Überschneidung: Laut Similarweb nutzten im Zeitraum von September 2025 bis Mai 2026 konstant 95% der ChatGPT-Nutzer gleichzeitig Google.
  • Rückgang der Suchanfragen: Haushalte mit Zugang zu ChatGPT Search reduzierten ihre traditionellen Suchanfragen im Durchschnitt um 3,14 pro Woche, was einem Minus von 9,4% entspricht.
  • Einbruch der Referrals: Besonders informationalen Seiten trifft es hart. Die Verweise auf akademische Seiten sanken um 32,8%, auf Referenzseiten um 26,5% und auf News-Seiten um 13,4%.
  • Stabile Reichweite bei sinkendem Volumen: Während die Haushaltsreichweite von Google bei etwa 49% stabil blieb, stieg die von ChatGPT von 4,6% auf 7,9%.
  • Effekt des AI Mode: In einem Experiment führte die forcierte Nutzung des AI Mode zu einem Rückgang der Klicks auf externe Seiten um 18,8 Prozentpunkte.

Was bedeutet das für Dich?

Diese Entwicklung betrifft primär Marketingverantwortliche und Entscheider von inhaltsgetriebenen Webseiten, insbesondere in den Bereichen News, Bildung und Fachinformation. Wer primär von informationalem Traffic lebt, spürt den Verlust. Für reine E-Commerce-Plattformen oder Unterhaltungsseiten ist die Auswirkung derzeit vernachlässigbar.

  1. Informationsarchitektur auf „Answer Engine Optimization“ umstellen. Priorisieren Sie in diesem Quartal die Bereitstellung von präzisen, direkt verwertbaren Antworten in Ihren Inhalten. Sie erkennen den Erfolg daran, dass Ihre Marke in KI-Zusammenfassungen (AI Overviews) als Quelle genannt wird, auch wenn die Klicks sinken. Der Aufwand ist moderat, erfordert aber eine redaktionelle Anpassung der Content-Strategie.
  2. Diversifizierung der Traffic-Kanäle einleiten. Planen Sie für dieses Jahr eine Strategie, die die Abhängigkeit von organischen Suchklicks reduziert, etwa durch den Aufbau eigener Communitys oder Newsletter. Erfolg ist hier eine sinkende Korrelation zwischen Google-Traffic-Schwankungen und Ihrer Lead-Generierung. Der Aufwand ist hoch, da es eine strategische Neuausrichtung bedeutet.
  3. Conversion-Pfade für „KI-vorinformierte“ Nutzer optimieren. Passen Sie diese Woche Ihre Landingpages so an, dass sie Nutzer abholen, die bereits die Antwort der KI kennen und nur noch zur Validierung oder für den Kaufabschluss kommen. Ein Erfolg zeigt sich in einer steigenden Conversion-Rate bei sinkendem Traffic. Der Aufwand ist gering, da es primär um UX-Anpassungen geht.

Für Informationsportale und Fachmedien

Hier ist die Priorität die Sicherung der Markenpräsenz innerhalb der KI-Antworten. Da Referrals bei News-Seiten um 13,4% sanken, muss die Sichtbarkeit im AI Mode zur neuen Kernmetrik werden.

Für Onlineshops und Marktplätze

Da Referrals zu Marketplaces laut den Daten kaum bewegten, bleibt der Fokus hier auf klassischem SEO und Performance-Marketing. Die KI-Entwicklung ist derzeit ein Beobachtungspunkt, kein dringender Handlungsbedarf.

Wer jetzt nichts unternimmt, wird erleben, dass die Reichweite (Impressions) zwar stabil bleibt, die tatsächlichen Nutzerbesuche auf der eigenen Webseite jedoch kontinuierlich erodieren.

Experten-Meinung

Die Daten belegen eine Verschiebung der Nutzerführung. Wir sehen nicht das Ende von Google, sondern das Ende der klassischen Ergebnisliste als primäres Interface. Wenn Nutzer Google-Dienste für Maps oder Logins behalten, aber Informationsfragen an ChatGPT stellen, wird Google zum Betriebssystem und die KI zum Wissenslieferanten.

„KI wird zur Suche hinzugefügt, anstatt sie zu ersetzen“

, so die Interpretation von Similarweb. Für Entscheider bedeutet dies: Sichtbarkeit bedeutet nicht mehr zwingend ein Klick auf einen Link, sondern die Präsenz in der generativen Antwort.

Daten und Zahlen

Die Diskrepanz zwischen Nutzerzahlen und Interaktionen ist deutlich. Während 95% der ChatGPT-Nutzer Google treu bleiben, sinkt die Interaktionstiefe. Die Reduktion der Suchanfragen in ChatGPT-Haushalten steigerte sich nach 20 Wochen sogar auf 17,0%. Parallel dazu wuchsen die Besuche generativer KI-Plattformen im Jahresvergleich um 70%. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Nutzungshäufigkeit der KI-Tools schneller wächst als die Abwanderungsrate von Google, was zu einem effizienteren, aber für Website-Betreiber schmerzhafteren Informationskonsum führt.

Einbruch der Referrals

Rückgang der Verweise auf verschiedene Seitentypen

Akademische Seiten
32,8 %
Referenzseiten
26,5 %
News-Seiten
13,4 %

Ausblick

Die Integration von KI in die Suche wird sich beschleunigen. Mit über 2,5 Milliarden monatlich aktiven Nutzern für AI Overviews und über 1 Milliarde für den AI Mode setzt Google den Standard. Die nächste Phase wird die vollständige Verschmelzung von Suche und KI-Dialog sein. Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass die „Null-Klick-Suche“ zum Standard wird und die Messung des Erfolgs von Klicks hin zu Brand-Mentions in KI-Outputs wandert.

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